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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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XIV. Die Astrophysik.

platz aller durch ihr System verstreuten Substanzen gelten müsse,nicht gänzlich zu fehlen brauche. In der That ist die Möglichkeitnicht auszuschließen, daß das Spektroskop vielleicht doch einmalversagen kann; so hat z. B. A. Wellmann durch seine Studienüber anomale Dispersion in der Sonnenatmosphüre sich über-zeugt, daß auch Wismut und Platin der Sonne angehören,die beide in Rowlauds Liste fehlen. Allein selbst gesetzt, dieAbwesenheit des Sauerstoffs lasse sich endgiltig darthuu, so würdeLockyers Behauptung, der Sonne fehlten gänzlich allenichtmetallischen Elemente, auch durch das Vorkommen desKohlenstosfs widerlegt werden. Und dieses ist gesichert. Nachden Untersuchungen von I. Trowbridge (geb. 1343) macht sichdieser Grundstoff nnr deshalb zu wenig geltend, weil seine Liuieudurch die Eisenlinien großenteils überdeckt werden.

Es bedarf jedoch nicht der ausdrücklichen Hervorhebung desUmstandes, daß Lockyers Annahme, der große solare Heizofenmöge wohl zu sehr viel anders gearteten chemischen Prozessen dieVeranlassung geben, einen sehr richtigen Kern enthält. Von vou-herein war zu erwarten, daß uns auf der Sonne chemischeZustände entgegentreten würden, für die wir auf derErde überhaupt kein oder wenigstens einstweilen keinAnalvgon besitzen. Das hat sich bewahrheitet, aber glücklicher-weise hat sich in einem sehr ausgezeichneten Falle zeigen lassen, daßauch die irdische Chemie, wenn ihr nur das Ziel richtig gesteckt war,dasselbe Ergebnis zu liesern vermochte, welches bis dahin der Sonneeigentümlich zu sein schien. Die gründlichen Analysen, welcheS. P. Langley (geb. 1834) dem ultraroten und ebenso Andere,wie Eh. A. Aoung (geb. 1834) und die Beobachter derKen-wood-Warte" in Chicago , dem ultravioletten Sonnenspek-trum haben zn teil werden lassen, machten uns mit einer ganzenReihe neuer Linien bekannt, die noch ihrer Interpretation harren,uud auch im eigentlichen Spektrum sind die neuen Funde nochlange nicht an ihrem Ende angelangt. Um die weitaus wichtigsteEntdeckung dieser Art recht verständlich zu macheu, müssen wirallerdings etwas weiter ausholen und eine kurze Darlegung derAnsichten einschalten, die man sich über die Anordnung der äußeren