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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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XV. Die mechanischen Disziplinen in der neuesten Zeit.

Der Schall war uns bisher lediglich eine Wellenbewegung;der Schallstrahl selbst bot uns nur ein untergeordnetes Interesse.Allein anch er ist ein wichtiges Physikalisches Objekt; Znrück-werfung, Brechung, Beugung können an ihm beobachtet werden.Am bekanntesten ist die Reflexion, denn auf ihr beruht das Echo,desseu Theorie in früherer Zeit die bedeutendsten Geister, so einenEuler, beschäftigt hat, während neuere Arbeiten unr spärlich an-zuführen sind. Wir machen hier solche von I. I. Oppel (1815bis 1894) und Hirn namhaft. Die Konzentriernng parallelerStrahlen im Brennpunkte einer Kantschuklinse hat bereits Koeuigdurchgesührt, und jüngst erst sind diese Versuche 0on neuem auf-genommen worden, indem 1895 L. Per rot uud F. DussautKautschukmembranen, die über einen Holzzyliuder gespannt waren,zu sphärischer Wölbung aufbliesen und so zwar uicht einen Brenn-punkt im strengen Wortsinne, aber doch eine Brennebene nach-wiesen, auf welcher die Verstärkung des Tones nnoerkennbar war.Daß Spiegelung und Beugung im Wasser so gut wie in der Luftstatthaben, wurde von Colladon dem älteren hervorgehoben.

Ebenso wie in der Optik die Frage nach denjenigen Wellen-längen, welche das sichtbare Spektrnm begrenzen, eine sehr wichtigeist, so fragt der Akustiker, welches der höchste und tiefstehörbare Ton sei. Nach der ersteren Seite hin ist wahrscheinlicheine feste Schranke so leicht nicht aufzurichten; dagegen liegen be-züglich der tiefsten Töne ältere Untersuchungen von Savart undneuere von A. Appnn (geb. 1839) vor; letzterer, der SohnG. Appuns (18161885), hat dessen berühmte akustische Offizinin Hanan übernommen, aus welcher hauptsächlich die von Ohren-ärzten gebrauchten, uugemein langsam schwingenden Prüsungs-stimmgabeln hervorgingen nnd noch hervorgehen. Gabeln von nur8 Schwingungen in der Sekunde sollten den tiefsten, noch wahr-nehmbareu Ton liefern, aber der Holländer van Schaik bestreitetdies in seiner gekrönten Preisschrift über die Tonerregnng durchLippenpfeifen (1891) und verbleibt bei der von Helmholtz fest-gesetzten Grenze des Sub kontra-6. Sehr tiefe Töue habeuübrigens nach Ch. Bnrton (1895) die Eigenschaft, noch tiefer zuerscheinen, als fie an uud für sich schon sind. Es liegt da ein