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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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564 XV. Die mechanischen Disziplinen in der neuesten Zeit,

Solche Maschinen, wie sie zumal für die Kühlräume derBierbrauereien und verwandter gewerblicher Anlagen unentbehrlicheRequisite bilden, sind schon seit geraumer Zeit im Gebrauche.Ursprünglich bediente man sich ausschließlich derKältemischuugen,die zuerst vor zweihundert Jahren der bekannte Fahren heitherzustellen lehrte; Salmiak, Salpeter und Wasser ergeben eineTemperatur von24°, Schnee und Chlorcalcium eine solche von 42°, wenn das Mischungsverhältnis 2 :1 ist. Für umfassendereAnwendung ist das Verfahren nicht geeignet, schon der Kostspielig-keit wegen. Die Kaltluftmaschinen, deren Typus die Ein-richtung von Windhausen ist, basieren auf dem Grundsatze dermechanischen Wärmetheorie, wonach ein Gas sich sehr stark abkühlt,wenn es sich, ohne daß Wärme hinzutritt, plötzlich ausdehnt unddabei eiue Arbeit leistet. Endlich kann auch die Verdunstungs-kälte als der die Temperatur herabdrückende Faktor ausgenütztwerden, und zwar hat dieses Prinzip auf der einen Seite zn denAbsorptionsmaschinen,auf der anderen zu denKompressions-maschiuen geführt. In die erstere Klasse gehört die 1860 vondem Pariser Zivilingenieur F. PH. E. Carre (geb. 1824) ersonnene,später sür stetigen Betrieb justierte Eismaschine, welche zuerstflüssiges Ammoniak hervorbringt und nüchstdem dessen Verdunstungeinleitet. Noch verlässiger in ihrer Wirkung sind jedoch die Kalt-dampfmaschinen, deren neueste Vervollkommnung sich an dieNamen R. Picket und K. P. G. v. Linde (geb. 1842) anknüpft,nnd zwar hat sich die Methode des letztgenannten, aus rein theore-tischen Erwägungen eines erfahrenen Thermodynamikers hervor-gegangen, allmählich die Hegemonie erstritten; ohne sie würde daskühne Wagnis, frisches Fleisch in eigens dazn eingerichteten Eis-schiffen aus Südamerika und Australien nach Europa zu trans-portieren, schwerlich zu glücklichem Ausgange gelangt sein. Dastreibende Agens der Maschine ist Ammoniak, während Pictet vor-wiegend mit schwefliger Säure gearbeitet hatte; auch die Kohlen-säure hat Beifall gefunden. Der sogenannte Generator ist mitangesäuertem Wasser gefüllt, und in ihn werden die Zellen gehängt,deren Wasserinhalt in Eis verwandelt werden soll. Das Gas wirdim Kondensator ausbewahrt und von da dem Generator als