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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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Die Länge der Lichtwellen.

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meter, deren bekanntestes Wild angegeben hat, gewähren einebesonders leichte Handhabung. Auch als Diabetometer wirddas Saccharimeter von den Ärzten angewendet, um den Grad derZnckerrnhr Diabetes wellitus eines Kranken ausfindig zumachen. Über einen besonders wichtigen Fall von Drehung derPolarisationsebene werden wir weiter unten in anderem Zusam-menhange zu sprechen veranlaßt sein. Die neuere Krystalloptikerfuhr eine mächtige Anregung dadurch, daß Reusch 1869 Glim-mcrblättchen, dereu Achseu eineu stets um den gleichen Betragwachsenden Winkel bildeten, zur Säule aufschichtete und an diesemkünstlichen Krystalle ähnliche Eigenschaften nachwies, wie sie vonden Naturkrystallen bereits bekanut waren.

Die Bestimmung der Länge der Lichtwellen, welche seitErfindung des sogeuanuten Beugungsgitters verhältnismäßigvereinfacht erschien, hat in dem uns hier beschäftigenden Zeitraumeau Exaktheit ungemein gewonnen. Auf Fraunhofer und Schwerdfolgten (1856) E. Esselbach (18321864) und eben nm dieseZeit W. Eisenlohr, sowie etwas später Angström. DieCauchysche Formel, welche Brechuugskoefsizienten und Wellen-länge unter Beiziehuug dreier Konstanten verknüpft, hat sich nichtals vollständig zureichend erwiesen, nnd es haben deshalb BadenPowell , v. Lommel und E. B. Christoffel (18291896)Ersatzformeln aufgestellt. Im ultravioletten Teile des Spektrumssind von M.A. Cornn (geb. 1841) noch Strahlen von 0,3MikronsWellenlänge nachgewiesen worden. Man kann also, wenn manmit E. v. Lommel eine Vergleichnng zwischen Licht und Schallanstellt und den Begriff der Oktave angemessen erweitert, demGesamtspektrum einen Bereich von fünf Oktaven zusprechen, wovonallerdings fast vier vom infraroten Teile in Anspruch genommenwerden. Bei irdischen Lichtquellen ist, wenn man sich nach denErmittlungen von V. Schumann (1890) und H. Rubens (1898)richtet, die Ausdehnung sogar eine noch weit größere und reichtbis an neun Oktaven heran. Wie diese Wellenbewegung auf dasLicht-perzipierende Organ wirkt, soll kurz im nächsten Abschnittebesprochen werden, welcher auch der sogenannten physiologischenOptik gerecht zu werden hat. Dagegen soll, um den Abschluß

Günther, Anorganische Naturwissenschaften. 38