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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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Ultraviolettes Licht und Elektrizität,

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auf die elektrische Entladung hatte Hertz 1887 außer Zweifelgestellt, und allmählich war man zu der Überzeugung geführt worden,daß eine photoelektrische Strömung existiere. Elster undGeitel, Warburg , E. Pringsh eim, der auch die Fähigkeit derGase, durch bloße Temperaturerhöhnng zum Leuchten gebracht zuwerden, experimentell nachwies, haben diese Seite der Elektrooptiknachhaltig gefördert, und anch E. Branly (geb. 1844) sprach esals Ergebnis seiner Analyse des als Elektrizitätszerstreuungbekannten Phänomenes aus: Jenes Licht löst in verdünntenGasen elektrische Schwingungen aus. Jenes Selbstleuchteuerhitzter Gase kann demnach anch als ein elektrischer Prozeß auf-gefaßt werden. Sehr charakteristische Entladungen haben anchI. I. Thomson (geb. 1857), O. Lehmann und (1892) derAmerikaner M. I. Pupin beschrieben. Unseren momentanenWissensstand und die daraus für die nächste Znkunft entfließendenAussichten für eine tiefere Erforschung der hier vorliegenden, auchmolekulartheoretisch neue Anhaltspunkte gewährenden Erscheinungs-komplexe zeichnet eine von I. I. Thomson versaßte, nnter Mit-wirkung von P. Ewers und Ebert auch ins Deutsche übertrageneSchrift (Die Entladung der Elektrizität durch Gase", Leipzig 1900).Neue Untersuchungen v. Lenards über die wiuzigen Quanten,Elektrizitätsmengen im Bewegungszustande, die wahrscheinlich dieUrsache der Kathodenstrahlen ausmachen, wird erst das 20. Jahr-hundert ihrer vollen Tragweite nach zn würdigen haben.

Wenn wir nun, am Marksteine zwischen zwei Jahrhundertenstehend, die Errungenschaften mustern, welche die Frucht innigsterVerschmelzung von Optik und Elektrizitütslehre dar-stellen, so könueu wir einstweilen drei Modalitüten desStrahlungspriuzipes unterscheiden. An erster Stelle stehtdas altbekannte Licht, einerlei ob es unmittelbar unserer Netzhautseine Anwesenheit verkündigt oder, durch die Hilfsmittel der Phos-phoreszenz und Photographie in seinem Geltungsbereiche gestärkt,nur indirekt auf das Auge wirkt. Es folgeu die Kanal- undKathodenstrahlen, und zum dritten endlich die Roentgenstrahlenals soweit bislang unsere Kunde reicht autonome Be-thätignngsformen der Strahluugseuergie des Welt-