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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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Hygiene des Wassers und der Luft.

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ganz ebenso steht es mit der Prüfung aller Eßwaren nnd Genuß-mittel, wofür sich ja jetzt auch die schon zu einer Sparte desöffentlichen Dienstes gewordene Nahrungsmittelchemie speziellzu interessieren hat. Die sogenannte Gewerbehygiene verlangtein Ineinandergreifen der verschiedensten naturwissenschaftlichenund medizinischen Einzelwissenschaften, und zumal zur Hintan-haltnng der Bleivergiftung, der durch das Quecksilber hervor-gerufenen typischen Erkrankungen in Spiegelfabriken, und der frühervon der Herstellung der Zündhölzchen fast uuzertrenulichen Phos-phornekrose mußte sehr ernstlich an die Unterstützung der phy-siologischen Chemie appelliert werden. Luft- und Lichtversorgungbilden die zwei großen Probleme der Schulhygiene, die sich innenester Zeit auch ihre eigenen Fachmänner, wir nennen uurBaginsky und Kotelmaun, erzogen hat. Die Leichenbestat-tung gravitiert wesentlich nach der chemischen Seite, aber wennman die langsame Verbrennung der Vermoderung im Grabedurch die schnelle Verbrennung im Krematorium ersetzt, sokommt auch die physikalische Thermik zu ihrem vollen Rechte. Vonden zahlreichen Schriften, die sich mit letzterer Bestattungsart unterdem einen oder anderen Gesichtspunkte befassen, steht für den Ge-lehrten obenan eine solche, die F. Goppelsroeder (geb. 1837)verfaßt hat (Über Feuerbestattung", Mülhausen 1890). Ganzdirekt den Physiker aber gehen an jene drei Hauptabteilungen deröffentlichen Gesundheitspflege, die Heizuug, Ventilation undAbfuhr der Fäkalstoffe zn ihrem Gegenstande haben.

Von den verschiedenen Arten der Heizung, die heutzutagevielfach durch erwärmtes Wasser oder erhitzte Luft vermittelt wird,ist schon wiederholt die Rede gewesen. Unser hygienisches Wissenüber die Vor- und Nachteile der verschiedeueu Arten der Wärme-zufuhr hat 1881 ausgiebig G. Wolffhügel (18451898) zu-sammengefaßt in dem Abrisse, welchen er für das unter der Ober-leitung von H. Eulenberg (geb. 1814) erschieneneHandbuch desöffentlichen Gesundheitswesens" (Berlin 18811882) schrieb. DieLehre von der Lnfterneuerung in Gebäuden oder auch inunterirdischen Räumen ist insbesondere durch G. Recknagelmannigfach gefördert worden, dessen theoretische Untersuchungeu