Druckschrift 
Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
755
Einzelbild herunterladen
 

? ^

Mikrojkvpische Untersuchung interner Veränderungen.

7S5

nannte Lehmann, wie bemerkt, zuerst physikalische Polymerie,nachher aber Enantiotropie, und mit ihr befaßt sich ein Kapitelseines Werkes, in dem eine Reihe ähnlicher, mehr oder minderbekannter Vorkommnisse der nämlichen Kategorie eingereiht wird. Sowürden hierher die von den Brückenbautechuikern Wohl gekanntenUmformungen des Eisens gehören, die Pelouze (Abschnitt IX)und E.Fremy (18141894) im Jahre 1854 entdeckten; Erschütte-rung führt das amorphe Eisen in einen krystallinischen,die Brnchgefahr verstärkenden Instand über. Bei diesenProzessen ist, wenigstens bis zu gewissem Grade, Umkehrbarkeitder Modifikationen nachzuweisen; diese fehlt aber der Monvtropie,die z. B. eine von Lehmanu und D. I. B. Gernez (geb. 1834)aufgefundene Umformung des Schwefels kennzeichnet. Auf dieunmittelbar krystallographischen Probleme wird später zurückzu-kommen sein; mehr physikalisch sind dagegen die Betrachtungen überdie Zustandsänderungen flüssiger Körper Lösuugeu,Niederschlüge, Sättigungspunkt, Schmelzen uud Erstarrung, Um-wandlung von Gemengen und namentlich auch Tropfenbildung.Für letztere fallen die Experimente von F. E. Reusch (1860) undW. v. Bezold (1886) sehr ins Gewicht. Noch ausführlicher sinddie von den Zustandsänderungeu gasförmiger Körperhandelnden Kapitel gehalten; gar manche seit langer Zeit ans derTagesordnung stehende Theorie tritt hier in ein neues Licht, soz. B. diejenige, welche das Zustandekommen der in Abschnitt VIIIbesprochenen Hauch bild er verständlich machen will. Natürlichspielt hier auch die elektrische Dissoziation keine untergeordnete Rolle.Ans diesem massenhaft angesammelten Materials entsteht sodannein System der Atomistik, welche als mit den verschiedensten Teilender Naturwissenschaft auch organische Körper sind keineswegsausgeschlossen wohl verträglich nachzuweisen versucht wird.Der Autor faßt selbst seine Darleguugeu nicht so auf, als solltedurch sie jetzt schon eine endgiltige Aufhellung der zahllosen,hier vbschwcbeuden Dunkelheiten erreicht werden, sondern er willProlegomena als Anregung zu weiterer Forschung liefern, unddies dürfte ihm zweifellos geglückt fein. Gerade diese fast aus-sichtslos erscheinenden Bemühungen, einen Einblick in das innerste

48*