Druckschrift 
Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
905
Einzelbild herunterladen
 

Ausbildung deS bauschen Wiudgesc^es.

905

(geb. 1843), Zenker und Sprung angewandte Photvgrammetrie(Abschnitt XVI) wertvolle Ergänzungen lieferte.

Die Bewegnngsverhältnisse der Lnft legte man sich selbstnoch in den sechziger Jahren, uud teilweise uoch viel länger, ganzauf Gruud der unzulänglichen Doveschcn Winddrehungsregelzurecht, deren Genesis uus Abschnitt VI vorgeführt hat. Und dochwar seit geraumer Zeit schon die Axt an die Wnrzel des anscheinendso stolz emporstrebenden Baumes gelegt. Durch die früher genanntenenglischen und amerikanischen Meteorologen Espy, Ferrel,Reid, Redfield, Piddingtou u. s. w., denen auch der vielzu wenig bekannte Mecklenburger M. Ch. Dippe (18131891)zuzurechnen ist, war eine Reform vorbereitet, deren Bannerträgervon 1851 au Ch. H. D. Buys-Ballot wurde, von dem wir alsAkustiker schon früher (Abschnitt VIII) Notiz zu nehmen hatten.Auf ihn geht zurück die synoptische Meteorologie, die Technik,den Witteruugszustand einer möglichst großen Zahl von Orten, inSymbolen niedergelegt, auf einer Karte zu verzeichnen uud ausdiesem Schema auf das Wetter der nächsten Zukunft zu schließen.Und um das Lesen dieser Geheimschrift zn ermöglichen, stellte derBegründer der moderneu Meteorologie den als barisches Wind-gesetz bezeichneten Lehrsatz auf: Die Luft weht stets voneinem Punkte relativ höchsten Luftdruckes nach dem nächst -gelegenen Punkte niedrigsten Barometerstandes hin, wirdaber auf der Nordhalbkugel stetig uach rechts, auf derSüdhalbkugel stetig nach links abgelenkt. In der Nähedes Maximnms herrscht antizyklonale, in der Nähe desMinimums herrscht zyklonale, spiralige Bewegung, und jed-wede Art von Luftbewegung in den tieferen Lustregionen, vomlaueu Zephyr bis zum Wirbelsturme der Tropen, muß als Zykloneaufgefaßt werden. Wir sahen in Abschnitt VI, daß H.W.Brandesdieser Einsicht anffallend nahe gekommen war, allein ohne Berück-sichtigung der durch die Erdrotation bedingten Deviationen warkeine befriedigende Darstellung der thatsächlichen Windverhältnissezu erreichen. Nur langsam brach sich die große Neuerung Bahn.Als U. F. F. Vettin (geb. 1320) im Jahre 1857 seine schönenTabakranchexperimente znr anschauliche» Verfolgung des von