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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
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<« 10 XXIII. Erdmessmig und Erdphysik in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts.

herrschenden Klimas zu zeichnen. Hier kann von einem geschicht-lichen Werden nur im Hinblicke ans die Methode gesprochen sein,welche ohnehin dem Arbeitsbereiche der allgemeinen Klimatologiezufüllt, und so wird es naturgemäß auch nur diese letztere sein,mit welcher wir uns an diesem Orte zu beschäftigen haben.

Dem solaren Klima, welches ausschließlich von der Sonnen--bestrahlnng abhängt, stellt die Wissenschaft das physische Klimagegenüber, welches den durch die wechselvolle Beschaffenheit derErdoberfläche bedingten Veränderungen Rechnung trügt. Daserstgenannte hinwiederum erheischt die Lösung zweier Aufgaben:es soll ermittelt werden, welchen Abschwächnngeu die svlareWärmeenergie beim Durchgänge durch die Atmosphäre aus-gesetzt ist, und wie sich der gebliebene Rest sodann ans die ein-zelnen Parallelkreise verteilt. Zu allererst ist es da also unserBestreben, zn erfahren, wie groß die Sonnenkonstante ist, d.h.wie viele Kalorien an der ünßeren atmosphärischen Begrenzungs-fläche, wo noch keine Verschlnckung stattgehabt haben kann, auf dieFlächeneinheit entfallen. Dnrch Vorrichtungen, welche man alsPyrheliometer und Aktinometer kennt, suchten folgeweisePonillet, Crova, Violle, O. Froelich (geb. 1843),A. G. Bartoli (geb. 1851), I. Maurer, Ferrel und inbesonders umfassender Weise der amerikanische Astro- undGeophysiker S. P. Langley (geb. 1831) jene wichtige Zahl zu be-stimmen; Genauigkeit im strengsten Wortsinne ist hier kaum erreichbar, aber dafür, daß die Solarkonstante zwischen 3 und 3,5 liegt,sprechen die besten Wahrscheinlichkeitsgründe. Verwandte Studienleiteten in nenester Zeit I. Scheiner zu der Überzeugung, daßdie Hitze ans der Sonne selbst, oft nach Hnnderttausenden vonGraden geschätzt, viel geringer ist, als gemeiniglich angenommenwird. Um die selektive Absorption zn studieren, dieut LangleysBolometer, welches festzustellen erlaubte, daß die Verschlnckuugdie kurzwelligen Strahlen, die dann erwähntermaßen Fluoreszenzerregen, weitaus am stärksten sind. An dem mathematischen Probleme,aus Tagesdaner und Meridianhöhe der Sonue die Größe des Tages-qnantums der Sonnenwärme nnd hieraus durch einen weiteren^utegrationsprozeß das Jahresanantum zn finden, beteiligten sich