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Großbritannien , so liegt das Verhältnis zum britischenWeltreich gerade umgekehrt. Deutschland ist von allenLändern der Welt der kaufkräftigste Abnehmer größer-britischer Rohprodukte und besitzt im Verhältnis zumbritischen Reich eine entschieden passive Handelsbilanz,(vergl. Tab. III.) Deutschland ist, roie ich an andererStelle nachzuweisen suchte, gegenüber manchen britischenHerrschaftsgebieten, z. B. Indien, als überwiegender Käufernicht ohne Retorsionskrast.
In diesem Verhältnis spiegelt sich jene ungeheure Ver-schiebung der britischen Volkswirtschaft, die sich langsam,aber sicher in unsern Tagen vollzieht und bie sich u. a.in der Kbnahme der britischen Ausfuhrkraft offenbart:in den letzten 24 Iahren hat die Ausfuhr Großbritanniens um 2Zv/o, die Deutschlands um 54°/o, die der vereinigtenStaaten gar um 76°/° zugenommen.^) Die Titn alsder Geldgeber riesiger Rohstoffgebiete überwuchert denkleinenglischen Industriestaat, wobei der Reichsverbanddurch politische Ordnung die Sicherheit der ausgeliehenenKapitalien gewährleistet. Die Ausbeutung kolonialer Neu-länder und Arbeitskräfte ermöglicht nicht nur den breitenLebenszuschnitt der britischen Mittelklassen, sondern da-mit auch die Lohnhöhe der englischen Industriearbeiter,deren Erzeugnisse in wachsendem Maße dem reichenheimischen Markte zufließen. Der englische Arbeiter-aristokrat steht aus den Schultern einer millionenköpfigen,farbigen Menschheit.
Womit aber sollen diese Rohstoffgebiete ihre Zinsenan England begleichen, wenn nicht durch Rohstosfaussuhrnach Industrieländern? Denken wir insbesondere der starkwachsenden Verschuldung Australiens gegen England .Großbritannien selbst besitzt den Kolonien gegenüber viel-fach nur schwach passive Handelsbilanzen, da die