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3 (1895) Politische Schriften von 1848 bis 1868
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gegen einen armen König gerecht sein und verlangt von ihmnicht das Unmögliche. Wenn Ihr es nicht verlangt, sowerdet Ihr auch nicht getäuscht werden, noch Euch nach jederverlorenen Illusion über Euren Fürsten statt über Euch selbstbeklagen. Ihr werdet auch zugleich Eurem Ziele um dieVermeidung eines unausbleiblichen Irrtums näher rücken.Was mich betrifft, so erkläre ich jedem Fürsten von Geblütund jedem Hohenzollern insbesondere, daß ich ihn nicht umeines Haares Breite für Deutschlands Fortschritt verantwort-lich mache, und daß ich mich aller Ansprüche an seine Mit-wirkung los und ledig erkläre, dagegen erlaube ich mir, denKodex meiner Pflichten und die Regeln meines Verfahrensin Einklang mit dieser meiner Recht- und Anspruchslosigkeitzu formulieren. Im Übrigen appelliere ich an die Erfahrung.Als die preußischen Heere unter der Rute des gewaltigenNapoleon in Rußland standen, und für Deutschland dieStunde der Erhebung schlug, da war es nicht Friedrich Wil-helm III., welcher es wagte, mit dem gefürchteten Zwing-herrn zu brechen und vielleicht für des Vaterlandes Be-freiung seine Krone einzusetzen, da zögerte und scheute daskönigliche Haupt, und Aork, der Patriot aus bürgerlicherHerkunft, mußte seinen Kopf spielen, um durch eine kühneWendung, sozusagen durch einen Akt der Empörung, seinenzaudernden Souverän zu kompromittieren. Als FriedrichWilhelm IV. die deutsche Kaiserkrone zu Füßen gelegt wurde,da stieß er sie mit dem Fuße von sich, und nun, nun bautiu Gottes Namen auf einen neuen Friedrich oder Wilhelm!

Wer zum ersten Male liebt und sei's auch glücklos, ist ein Gott,Doch wer zum zweiten Mal unglücklich liebt, der ist ein Narr.*

Dein

Thomas Contra.