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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
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geträumten Reichs scharf empfindet, im herben Kontrast zujenen Zielen, die der Einsetzung aller besten Lebenskräfteeinst vorschwebten; wer den unüberwindlichen Absonderungs-trieb immer von Neuem hat überwuchern sehen im Herzender Demokratie, und nicht zu glauben vermag an denpolitischen Geistesflug der deutschen Aristokratie wer,der dies und so vieles Andere all die Jahrzehnte kämpfenddurchgemacht hat, wollte es seinem Nebenmann verübeln,wenn er sich anklammert an den Einen, der so Großes, soSichtbares geleistet hat, und wenn er Allem mißtraut, wasnach dem Einen kommen soll?

Wir beanspruchen nicht, die Gedanken der Anderen er-raten zu können, aber wenn eine Hypothese erlaubt ist, soliegt hier vermntlich die Richtung, in welcher nach demSchlüssel für Herrn von Bennigsens Geheimnis zn suchenist, eines Mannes, der an Geist, Bildung und Charakterals der Auserlesensten einer dasteht, iu dessen Inneremaber augenscheinlich die überwiegend bitteren Erfahrungender letzten Jahre jenen Plausibilismus erzeugt haben, derin den Gedankenlosen zur Gleichgiltigkeit, in philosophischenKopsen aber zur kühlen Abfindung mit allen Widerwärtig-keiten führt. Wer kennt ihn nicht, jenen aristokratischenQuietismus, der in schlechten Zeiten seinen Sitz gerade inden feinsten Köpfen aufschlägt; der ihnen zwar mit Rechtzuruft, daß man nicht in Wüsteu fliehen soll, weil nichtalle Blütenträume reifen, der aber dann auch sich mit jedemÜbel versöhnt, weil schließlich die Welt doch nicht unter-gehe. Daß die Welt nicht untergeht, ist nicht der MenschenVerdienst; den menschlichen Anstrenguugeu hingegen ist dasschmale Gebiet angewiesen, auf welchem menschliche Kräftedie Grenzen der Daseinsbedinguugen um ein Geringes nachder Seite des Besseren hin erweitern können. Das Mehroder Minder, das Früher oder Später auf diesem schmalen