^or einiger Zeit ward ich vom Herausgeber dieserZeitschrift gebeten, einen Bericht über den Stand der deutschenPresse zu geben, und nach reiflicher Überlegung konnte iches nicht übers Herz bringen, diese Bitte abzuschlagen. Denn,obgleich es angesichts des von Waffen starrenden Europas mehr als je eine Utopie scheint, von Versuchen, die Nationenin größere Harmonie zu einander zu bringen, zu sprechen,und obgleich ich mich, mit dieser Ansicht, nie hatte bestimmenkönnen, mich irgend einer Friedensliga anzuschließen, soachtungswert dieselbe auch sein mochte, so erscheint mir dennochvon all diesen Versuchen derjenige als der am wenigsten nutzlose,welcher anstrebt, den Lesern der einen Nation einen richtigenBegriff von dem Zustand der anderen zu geben. Ich glaube,daß die meisten Menschen bei näherer Bekanntschaft ge-winnen, und in noch höherem Maße ist dies der Fall beiNationen, nicht nur weil sie schwerer zu verstehen sind alsvielmehr, weil die, welche sie verstehen sollten — nämlichdas vielköpfig-allgemeine Publikum, welches unter dem NamenNation geht — so ungemein dickköpfig ist. Die erste Bedingung,nm zu einem solchen Verständnis zu gelangen, ist natürlichein gegenseitiges Sichverstehen in den Sachen, nicht in denWorten. Heutzutage sprechen die Nationen mehr denn jedurch die Zeitungspresse miteinander. Früher war dies dieArbeit der Diplomatie; und wenn diese mit ihrem Latein
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten