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Juden in der deutschen Wirtschaft / Kurt Zielenziger
Entstehung
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in ihrer Neigung zum Individualismus nicht immer noch, solcheBetriebe meiden zu müssen, weil sie in ihnen ihre Persönlichkeitnicht entfalten können ? Wenn die Juden nicht allmählich selbsteine innere Umstellung vornehmen, werden sie hier immermehr an Terrain verlieren. Neben diesem freiwilligen Fernhaltenerfolgt eine bewußte Ausschließung der Juden. Durchdie Ausgestaltung der Riesenkonzerne vollzieht sich eine Ver-drängung der Juden, die ganz im Stillen, aber oft sehr überlegtgeschieht. Auch in vielen Unternehmungen, die durch jüdischeMänner ins Leben gerufen worden sind, findet sich heute kaumnoch ein jüdischer Ingenieur oder eine jüdische Stenotypistin.Diese Bewegung führt auch zu einer Eliminierung der Juden inden Staatsbetrieben. Wo sind die jüdischen Kaufleute in denBergbaubetrieben des Preußischen Staates, den Elektrizitäts-werken des Reiches, den Staats- oder Stadtbanken, wo findenwir sie bei den großen Verkehrsmitteln, den Eisen- oder Straßen-bahnen ?

Diese Verdrängungsbestrebungen werden von der Boykott-bewegung unterstützt, mit denen die antisemitischen Hetz-apostel die angebliche Herrschaft des deutschen Juden über diedeutsche Wirtschaft bekämpfen wollen. Sie raubt vielen jüdi-schen Erwerbstätigen im Lande ihre Existenz und zwingt sie,in die Städte abzuwandern. So vermehrt auch sie die Zahl derAbhängigen.

Aber größer noch als alle diese Fragen des Jetzt ist dasProblem von Morgen. Die Frage nach dem Schicksal un-serer Wirtschaft. Noch ist der soziale Umbildungsprozeß nichtbeendet. Mehr denn je hat sich die Lage der deutschen Judender aller übrigen deutschen Mitbürger angenähert. Wo führenKonzentrierung und Organisierung der Wirtschaft hin ? Ist dasnoch freies Unternehmertum? Könnten es die Juden nicht mitGenugtuung verzeichnen, daß im Handel und Handwerk, in derIndustrie und Landwirtschaft die Freiheit kapitalistischen Schaf-fens in unseren Tagen stürmisch gefordert wird ? Aber ist das nochkapitalistische Wirtschaft, die sich selbst überall Hemmungenauferlegt? Seit Jahren beschäftigen sich infolgedessen Wirt-schaftsführer, Wirtschaftspolitiker und Wirtschaftsgelehrte mit