über die festen Formen der Erdrinde.
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Erläuterung s.
Richtung, Gefälle, oberer, mittlerer und untererLauf der Ströme.
Die Hauptrichtung oder die Normaldirection der Strömewird theils durch die gegenseitige Richtung der Wasserzuleitungenin Verbindung mit dem gegenseitigen Verhältniß ihrer Wasser-massen und ihres Falles, theils durch die Beschaffenheit und dieStructur der Gebirgs- und Erdmassen, welche sie auf ihrem Laufedurchschneiden, bedingt. In den Richtungen der Ströme stellt sichsehr oft ganz deutlich das Gesetz vom Parallelogramm der Kräftedar, aber nur selten, oder vielleicht nie geht die Stromrichtungallein aus den uuter einem gewissen Winkel mit gewissen Kräftenzusammenstoßenden Wasscrmassen hervor. Oft tritt noch die hete-rogene, widerstrebende Kraft der Masse deS Bettes hinzu, welchemit einwirkt auf die Richtung des Stroms. Die kleinern Ab-weichungen von der allgemeinen Richtung werden oft allein durchden Widerstand der Gebirsmassen verursacht. Dies ergiebt sichz. B. sehr auffallend an den Windungen des Rheins zwischenGingen und Kaub, am obern Tessino, an der Dal-Elbe in Schwe-den u. a. m., wo dieses genauer verfolgt worden ist.
Aus der eckigen, im Zickzack an einander gereiheten Kettevon immer kurz unterbrochenen, longitudinalen und transversalenThälern werden, wenn der Strom aus einer festen, geschichteten,kristallinischen Gebirgsmasse hervorgetreten ist, seine Biegungennur zu sanften Wellenlinien, wenn er in ein leicht zerstörbaresFlözgcbirge, oder in lockeres, aufgeschwemmtes Land übergeht. Dasgeübte Auge kann aus einer richtigen Zeichnung des Stromlaufsim allgemeinen, mit ziemlicher Sicherheit, auf die Masse des Bet-tes zurückschließen.
Die Ströme durchbrechen, wenn nicht andere mächtigere Kräftedagegen wirken, die GcbirgSmasscn in denjenigen Richtungen, inwelchen sie den geringsten Widerstand finden bei Gebirgs-
') Hausmann, Skandinavische Reise. Tb. IV. S. 324. -) Hausmann,am angeführten Orte.