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Ueber geographische Stellung
I Contrast der Land- und Wasser-Halbkugel.
Einige Beobachter haben schon die Aufmerksamkeit auf dieungleichartige Verchcilung der Läuderflächen, im Gegensatze derWasserflächen, geleitet, indem sie zeigten, daß jene mehr den Nord-pol der Erde umlagern, als den Südpol , und mehr gegen unsernOsten zusammengedrängt sind, als gegen den Westen.
Aus diesem Doppelverhältniß der Vertheiln»«, crgiebt sich,bei Berücksichtigung des Vorherrschens der starren und flüssigenForm, von selbst die Anordnung einer nordöstlichen Landhalb-kugel und einer noch größern südwestlichen Wasserhalbkugel, welchewol den größten Contrast auf dem Erdbälle bilden; ein Verhält-niß, das man (mit Erweiterung des Begriffs der BenennungErdkreis, im Sinne der Alten) mit dem Gegensatze des großenErdkreises und des großen Wasserkreiscs bezeichnen könnte, so daßvon einer continentalen wie von einer pelagischen Seite des Erd-planeten die Rede sein kann. Die gegenseitige Begrenzung beiderKreise, welche sich nicht durch eine bloße Linie bezeichnen läßt,sondern durch eine breite Zone, die, über Wasserflächen und Ge-stadeländcr hinziehend, leicht sich selbst ausweiset, umkreiset denganzen Erdball und durchsetzt den Aequator, in Nord-Ost derMosambikstraße und am Küstenmcerc von Peru, etwa in einemWinkel von 45 Grad. In der Mitte der nördlichen Landhalb-kugcl, oder dieses großen Erdkreises, liegt der durch seine ge-steigerte Civilisation alle andern Erdräume beherrschende Theil vonEuropa , durch möglichst vielseitige Berührung mit der großenContinentalform des Planeten, in dem Mittelpunkte der größtenWirksamkeit, mit der am weitesten gewonnenen Sphäre seinerhistorischen Einwirkungen und Entwicklungen.
In die Mitte der Wasserhalbkugel, oder jenes großen Wasser-kreiseS, wurden dagegen die australischen Gestade und Inselgrup-pen ganz außerhalb aller natürlichen, frühzeitig entwickelndenBerührungen mit dem großen Kreise der Contincnte gestellt, daherjene Völker, unsre Antipoden, nothwendig erst nach den vollendeternKuustmitteln oceanischer Schiffahrt, also nach dem Ablauf der