Druckschrift 
Allgemeine Erdkunde : Vorlesungen an der Universität zu Berlin gehalten / von Carl Ritter
Entstehung
Seite
184
Einzelbild herunterladen
 

184

Dcveloppement,

ein Sechstel seines Laufes. Die Normalrichtung des Dniestr isteine und dieselbe, von Nordwestcn nach Südosten; sie fällt mitder directen Distanz von der Quelle bis zur Mündung fast ineine und dieselbe Linie zusammen. Es konnten demnach keineQuellen ans sehr weit auseinander liegenden Fernen in seinerHauptrinne zusammenfließen; sein Stromgebiet blieb wegen desMinimum seiner Krümmungen das nnbcdeutendste seinem Arealenach, nur ein schmaler Gürtel von gleich unansehnlicher Breitezu beiden Seiten, von Nordwcsten gegen Südosten gestreckt, vonkeinen 1500 HZMeilen, ohne allen Reichthum eines Netzgeflechtesvon Zuflüssen oder Geäder.

Der Dnepr, sein östlicher Nebeustrom, hat l34 Meilen direc-ten Abstand seiner Mündung von der Quelle, aber anch 214 MeilenStromentwickelung, also 70 Meilen oder ein Drittel Krümmungs-lauf, daher reiche Wassergeflechte erhalten, und bewässert einAreal von 10,000 ^Meilen.

Wenn auch in minder scharfen Gegensätzen lassen sich ähnlichentgegengesetzte Verhältnisse auch sonst beobachten. So bei denSystemen von Weichsel, Oder, Elbe, Weser, Rhein , die uns vielnäher liegen. Ebenso bei der Donau . Sie bilden die Ueber-gangsformen aus dem breiten Osteuropa zu dem verengten West-europa , daher ihre Dimensionen auch viel beschränkter und we-niger von einander verschieden erscheinen; dennoch ist deren Diffe-renz nicht ohne gleichartige Resultate.

Bei der Weichsel beträgt der directe Abstand der Quellevon der Mündung 70 Meilen, die Stromentwickelung 130Meilen; die Krümmungen also 60 Meilen, über zwei Drittel desStromlanfs. Dadurch wird der reiche Wasserzufluß vieler weither strömender Contribuenten möglich, und das Stromgebiet zueinem großen Areal von 3580 ^Meilen erweitert, welches zu denbewässcrtsteu und fruchtbarsten des Erdtheiles gehört.

Bei der Oder ist der directe Abstand der Quelle von der