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Amerika.
Antillische Inselgruppe, scheint vielmehr das verbindende Mittel-glied der Nord- und Südhalbe des Erdtheils gebildet zu haben.
Der horizontalen Dimension und den Küstencontouren nachhaben beide Theile, der nördliche uud der südliche, eine gewisseunverkennbare Analogie, die sogleich in die Augen fällt. Beidezeigen eine dem Triangel genäherte Gestalt, die sich, mit der brei-ten Seite der Basis nach Norden gerichtet, den spitzern Winkelnach Süden streckend, zweimal wiederholt. Gegen Süden, also,nicht, wie bei der verlängerten Ausdehnung Asiens und Eu-ropas , gegen Westen streckt sich die Verjüngung beider Erdtheil-hälften. Deshalb konnte in der Neuen Welt kein solcher Gegen-satz eines Orients und Occidents hervortreten, wie in der AltenWelt. Ost und West sind in der Neuen Welt weit mehr alsin der Alten zusammengehörige Naturgestaltungen, große Einheiten;aber mit einem großen Uebergewicht der Ostseite über die West-seite, die sich bei minder vortheilhaften Naturbedingungen (wiebeschränkteres Areal, größere Schroffheit der Bodenplastik, ungün-stigere maritime Stellung gegen den einsamen Südocean, und ge-ringere Population) nicht so leicht zu einer Selbstständigkeit ge-stalten konnte wie die Ostseite. Die australische Westseite desErdtheils konnte nicht zu einer Steigerung der Gesammtverhält-nisse gegen seine atlantische Ostseite gelangen, wie dies bei demOrient und dem Occident der Alten Welt der Fall war. Auchdie Südseite Amerikas konnte nicht im Fortschritt der Entwicke-lung des Erdtheils für den Norden Amerikas die höher gesteigerteRolle wie etwa der ihm fehlende Occident übernehmen. Daranhinderte schon die Weltstellung. Denn Nordostamerika war inseiner ganzeu Entwickelungsgeschichte auf sein benachbartes Europa angewiesen, mit dem es nicht nur in größeren Verkehr durchNaturverhältnisse (Windsystem, Strömungsverhältnisse, Klimatik)und Civilisation treten konnte, sondern in weit näherer tellurischerVerwandtschaft vou jeher stand, als mit seinem eigenen Gegenpole,