Druckschrift 
Die Geldvermehrung im Weltkriege und die Beseitigung ihrer Folgen : eine Untersuchung zu den Problemen der Übergangswirtschaft / von Robert Liefmann
Seite
63
Einzelbild herunterladen
 

welche Geld oder nicht Geld sein sollen, definieren, sondern immersind es die Einkommen, welche die Güter kaufen, wobei es ganzgleichgültig ist, ob sie sich jemals in realen Zahlungsmitteln ver-körpern. Zwar ersolgen Güterumsätze nicht nur aus dem Ein-kommen, sondern zwischen den Erwerbswirtschaften werden Gütergegen Geld in noch viel größerem Amfange auch mit dem Kapitalund dem Vermögen, den beiden anderen Geldausdrücken, um-gesetzt. Aber hier spielen die realen Zahlungsmittel eine noch vielgeringere Rolle, und jene Amsätze erfolgen doch nur im Hinblickauf Preise und Erträge, die aus der Bedarfsversorgung erzieltwerden können, also aus dem Einkommen bezahlt werden. Anddas ist ja auch ganz selbstverständlich, denn letzten Endes werdennur auf Bedarfsbefriedigung Kosten aufgewendet.

Daher können auch die Begriffe Wert und Kaufkraft desGeldes, die soviel Anheil in der ökonomischen Theorie angerichtethaben und noch heute anrichten, immer nur subjektiv, in bezugauf einen einzelnen Wirtschafter angewendet werden. Einenallgemeinen Geldwert gibt es nicht, die Geldausdrücke, die Preisewerden von jeder Konsumwirtschaft verschieden geschätzt, als Kosten,und zwar nach ihrerMenge", aber abstrakt ausgefaßt, d.h. nachihrem Einkommen. Das gilt auch gegenüber Preisveränderungen.Wenn viele Preise gestiegen sind denn fast niemals steigenalle Preise, und sie steigen vor allem nie gleichmäßighat esdaher keinen Sinn, zu sagen, der Wert oder die Kaufkraft desGeldes sei gesunken. Das ist nur ein oberflächliches Durchschnitts-urteil, abgeleitet aus einer Anzahl Preise, mit dem man abernichts erklären kann. Man kann den Preis wohl als einen ob-jektiven Geldausdruck bezeichnen (wenn man ihn nur nicht quanti-tativ-materialistisch als eine Geldmenge auffaßt), aber er ist nieein objektiver Ausdruck der Kaufkraft des Geldes. Eine solchegibt es nicht, weil nicht die Güter und die Geldsummen sich gegen-seitig umsetzen, sondern weil man bei der Erklärung der tausch -wirtschastlichen Vorgänge von den wirtschaftlichen Erwägungender einzelnen Menschen niemals abstrahieren kann.

d3