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Die Geldvermehrung im Weltkriege und die Beseitigung ihrer Folgen : eine Untersuchung zu den Problemen der Übergangswirtschaft / von Robert Liefmann
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Zweitens ist anzunehmen, daß noch auf längere Zeit eine solcheKnappheit an den wichtigsten Rohstoffen in der ganzen Welt vor--Handen sein wird, daß jener starke Warenimport einstweilen un-wahrscheinlich ist. Schon aus diesem Grunde wäre es unrichtig,die notwendige inländische Preissenkung nur von dem freien Verkehrzu erwarten, zumal dieser heute im Zeitalter der Kartelle und Trustsleicht in seiner Wirksamkeit gehemmt werden kann. Dazu kommtaber drittens, daß auch aus anderen Gründen eine unbeschränktefreie Einfuhr für einige Zeit nach dem Kriege unmöglich sein wird.Der Staat wird je nach der Dringlichkeit und Notwendigkeit des in-ländischen Bedarfs die Einfuhr wichtiger Rohstoffe einheitlich zuorganisieren und eine gleichmäßige und gerechte Verteilung vor-zunehmen, die Einfuhr entbehrlicher Güter aber zu beschränkeilhaben. Auf diesem Gebiete erwachsen der Regierung die aller-schwierigsten Aufgaben, da die Interessen der verschiedenen, aufRohstoffimport angewiesenen Industrien sich im Wege stehen undes gilt, die Dringlichkeit der Bedürfnisse bei den verschiedenenProdukten, den Nutzen des betreffenden Gewerbes für die Volks-wirtschaft und das Maß der zu ermöglichenden Einfuhr gegen-einander abzuwägen. Dabei wird es ohne Kämpfe zwischen den Be-teiligten nicht abgehen. Sehr erwünscht wäre es, wenn schon in denFriedensverträgen Abmachungen über die Lieferung wichtigerRohstoffe an uns auf Jahre hinaus erfolgen könnten. Dabei sollteman eventuell auch Bezahlung in Gold versprechen, was uns nütz-licher ist, als gar zu viel Produkte unserer Arbeit hingeben zumüssen. Auch etwaige Kriegsentschädigungen würden am bestenin wichtigen Rohstoffen bezahlt.

Wenn wir also zunächst die freie ausländische Einfuhr be-schränken und die Nützlichkeit der eingeführten Waren für unsereVolkswirtschaft dabei scharf im Auge haben müssen, so wäre esdoch verkehrt, dieses Ziel durch hohe Schutzzölle erreichen zuwollen. Damit halten wir nur das hohe inländische Preisniveauaufrecht, auf dessen Grundlage wir nie zu einer Wiederherstellungunserer Valuta gelangen. Sondern nur die Verstaatlichungder Einfuhr, nicht aber Schutzzölle können da helfen. Der Staatmuß, natürlich im engsten Zusammenwirken mit den Vertreternder verschiedenen Erwerbszweige, von sich aus die notwendige Ein-fuhr vornehmen und zugleich bestrebt sein, daß er für ausgeführteWaren möglichst viel vom Allslande erhält. Daher sind solche162