wurde, lag die Situation zwischen dem deutschen Volke und dem englischenVolke schon klar zutage. Die vor uns hegende, unendlich schwierige Aufgabewar, die Flotte, die wir gerade gegenüber England brauchten um derMilliardenwerte willen, die wir dem Meere anvertraut hatten, bis zu derStärke zu bauen, wo ein Angriff gegen uns zu einem ernstlichen Risiko fürden Angreifer wurde, ohne doch gerade durch diesen Flottenbau den Blitzauf uns herabzuziehen.
Unser Verhältnis zu Italien hatte 1897 in den Augen der Italiener schonItalien manches von seinem ersten Schimmer verloren. Als Bismarck und nach ihmunter Cnspi Caprivi-Holstein dem Wunsche Crispis, bald zu einer gründlichen Aus-einandersetzung mit dem in Italien damals sehr verhaßten Frankreich zukommen, kühl und ablehnend begegneten, erkannten die Italiener all-mählich, daß der Dreibund in den Augen der Deutschen mehr eine Ver-sicherungsgesellschaft als eine Erwerbsgenossenschaft sein sollte und daßsie ihre Vergrößerungspläne, sei es im Norden der Halbinsel und an denUfern des Adriatischen Meeres, sei es in westlicher Richtung und an derNordküste Afrikas , zurückstellen müßten. Aus dem unglücklichen Ausgangder abessinischen Expedition und den üblen Folgen des von Crispi be-gonnenen Handelskrieges mit Frankreich entnahmen viele Italiener dieweitere Lehre, daß sich schlecht mit der größten lateinischen Nation zustellen, für Italien auch seine Schattenseite habe. Der Italiener ist Real-politiker. Alles in allem ist das italienische Volk mit dem englischen wohldas politisch begabteste der europäischen Völker, ob es sich um die Mon-signori handelt, die vom ältesten und größten Palast der Welt, dem Vatikan ,aus den internationalen hierarchischen Apparat der Katholischen Kirche dirigieren oder um die Minister, die auf dem anderen Ufer des Tiber dieAußenpolitik des geeinigten Königreichs Italien führen. Die BehandlungItaliens von unserer Seite mußte vorsichtig, taktvoll und elastisch sein,unter sorgsamer Beobachtung der Imponderabilien, die gerade in diesemLande schwer ins Gewicht fallen, wo auf „gentilezza" der Form Wertgelegt wird.
Eine entschiedene Verschlechterung unserer auswärtigen Lage war seitJapan der Entfernung des Fürsten Bismarck in bezug auf Japan eingetreten,das wir durch das mißglückte Holsteinsche Experiment des ostasiatischenDreibunds stark verschnupft hatten. Noch mehr vielleicht durch das un-glückselige Bild des Kaisers, dem er die Unterschrift gegeben hatte:„Völker Europas, wahrt eure heiligsten Güter." Niemand verstand, wiesodie heiligsten Güter der europäischen Menschheit durch die milde Lehre desBuddha bedroht sein sollten. Aber Wilhelm II. hatte sich mit dem ihm beialler Flatterhaftigkeit gelegentlich auch wieder eigenen Starrsinn so sehrin diese Wahnidee verbissen, daß ihm selbst der einzelne Japaner anti-