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1 (1930) Vom Staatssekretariat bis zur Marokkokrise
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BERNHARD, PRACHTKERL"

halten. Der Effekt derselben ist gewesen, daß der wie ein großer Teil unsererFürsten und Völker völlig nichts ahnende und verstehende Großherzog soüberrascht gewesen ist von der Kleinheit der Forderung, dem entsetzlichenZustand der aktuellen Lage und der nationalen Notwendigkeit des Durch-gehens dieses Gesetzes, daß er ein glühender Verfechter Meiner durchTirpitz in Praxis umgesetzten Ideen geworden ist. Der Admiral kam mitder Message von Onkel an mich, daß er erfüllt sei von der Richtigkeitmeiner Pläne und mit seiner ganzen Person uns in dem ,Kampf um dieFlotte' (sie!) beistehen und helfen wolle. Er werde die badische Pressedirigieren, er werde aber noch mehr, ,sämtlichen Reichsfürsten'ungesäumt klarmachen, daß es ,ihre Pflicht und Schuldigkeit' sei, denKaiser hierbei zu unterstützen. Und sollte das dadurch in Erscheinungtreten, daß sämtliche Bundesratsgesandten im Parlamente energischeErklärungen abgeben sollen, welche demselben jeden Zweifel darüber be-nehmen sollen, daß die vereinigten Fürsten nicht hinter dem Kaiserstünden!! Jagemann werde dahin instruiert! Tirpitz geht von hier nachFriedrichsruh, um mit dem ,alten bösen Mann' wegen des Stapellaufes zusprechen, von da nach München, Stuttgart, Darmstadt , um auch dortVorträge an die Fürsten zu halten und dieselben zu orientieren; Onkel Fritzhat ihm überall Empfehlungen mitgegeben und will auch für die Besuchedas Terrain vorbereiten.

So weit Tirpitz und die deutschen Fürsten . Du siehst daraus, wenn solcheFürsprache in Aussicht steht, ich meinen Schnabel natürlich halten und nurzum Essen und Trinken und Rauchen benutzen werde! Welch herrlicheSaat fängt an aufzugehen und welcher Lohn Gottes für alle die Mühen undSorgen und den Kummer, den ich auf diesem Gebiet gehtten habe. Wasnun die Behandlung der Marine im Ministerium betrifft, so ist im allge-meinen Einigkeit da! Aber noch eine große Portion Angst vor Kämpfen undvor Abgeordneten etc. Der größte Angstmeier ist zu Meinem größtenKummer der aalglatte Miquel! Und hat sich dieser von Charakter an einRohr erinnernde Herr so weit hinreißen lassen, daß er gestern in Nord-deutsche' und ,Post' einen gegen die der Außenwelt und (im Detaü) auchden Kollegen noch unbekannten Vorlagen Tirpitz' inspirierten Artikellosgeschossen hat. Das hat ein scharfes Telegramm des letzteren an Hohen-lohe zur Folge gehabt und einen geharnischten Befehl an die ,Norddeutsche',sich nicht nochmal zu unterstehen, als Regierungsblatt solche Streiche aus-zuspielen. Zudem hat Bernhard (Prachtkerl!!!) umgehend AuswärtigesAmt und Presse eins auf den Kasten gegeben, und insbesondere hat eres übernommen, dem charaktervollen' Vizepräsidenten Meines Staats-ministeriums einige Freundlichkeiten von Mir zu sagen und ihm gehörigauf den Deckel eins zu geben. Er ist sogar ermächtigt, dem Ministerium zu