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1 (1930) Vom Staatssekretariat bis zur Marokkokrise
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EIN HERRENVOLK

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schwer es ihm fallen mußte, sich gerade zu der ungarischen öffentlichenMeinung, ungarischen Leidenschaften und ungarischen Vorurteilen, denWünschen ungarischer Minister in Gegensatz zu setzen. Gegenüber starken,sehr starken Passiven hatte seine Regierung nur wenige aktive Posten auf-zuweisen, und unter diesen stand die Versöhnung mit der ungarischenNation für Kaiser Franz Josef an erster Stelle. Sie war teuer, vielleicht zuteuer bezahlt worden. Gerade deshalb wollte er diesen Gewinn nicht ver-scherzen, und er wußte, daß er Gefahr lief, ihn einzubüßen, sobald er denüberspannten magyarischen Nationalgefühlen entgegentrat. Die Magyarenwaren nun einmal ein aristokratisches Herrenvolk, dem eine damals nochsehr unterwürfige und dabei magyarisch-chauvinistisch gesinnte Juden-schaft die erforderlichen Rechtsanwälte, Arzte, Journalisten und Finanzierslieferte. Im Grunde hat sich die ganze ungarische innere Poktik, die so vielStaub aufwirbelte, während Jahrzehnten um den Kampf zwischen einigenGrafen und ihrer Gefolgschaft gedreht: dem Grafen Gyula Andrässy,dem Grafen Albert Apponyi , dem Grafen Bänffy, dem Grafen Khuen-Hederväry, dem Grafen Michael Kärolyi und dem größten von ihnen, demGrafen Stefan Tisza , denen ab und zu einige Sprossen der Gentry wieKoloman von Szell, Wekerle, Fejerväry angegliedert wurden.