PREIS DER MAGYAREN
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nach seinem Einzug erklärt hätte, das sei der allerschönste Empfang seinesLebens. So war es in Peterhof und in Windsor, in Budapest und in Wien ,in Konstantinopel und in Venedig, in Rom und in Jerusalem, in Neapel und in Palermo, in Damaskus und in Beirut , bei jedem Besuch, bei jedemManöver. Napoleon war nur wohl im Sturm und Gewitter ungeheurerSchicksale. Wie er, der Sohn der trotzigen Insel Korsika, Frankreich undder Welt zuerst im Pulverdampf und Kanonendonner vor Toulon erschienenwar, so beschloß er seine kurze, meteorgleiche, kaum zwanzigjährige Lauf-bahn im Abendrot einer einsamen, weit, weit entfernten Insel des Atlanti-schen Ozeans. Anders Wilhelm II.
„Jung ward ihm der Thron zuteil,Und ihm beliebt es, falsch zu schließen,Es könne wohl zusammengehnUnd sei recht wünschenswert und schön:Regieren und zugleich genießen."
Diese Verse, die Goethe vorahnend im zweiten Teil seines ,,Faust " demMephisto über den Kaiser in den Mund legt, geben in prägnanter Weisedas Naturell Wilhelms II. wieder. Und wenn auf diese Worte Faust er-widert :
„Ein großer Irrtum. Wer befehlen soll,
Muß im Befehlen Seligkeit empfinden,
Ihm ist die Brust von hohem Willen voll,
Doch, was er will, es darf's kein Mensch ergründen.
Was er den Treusten in das Ohr geraunt,
Es ist getan, und alle Welt erstaunt.
So wird er stets der Allerhöchste sein,
Der Würdigste — genießen macht gemein —",
so bleibt das ewig wahr. Aber Wilhelm II. empfand und dachte anders.Für jeden schönen, interessanten Eindruck empfänglich, war er einer dergenußfähigsten Menschen, die mir vorgekommen sind, wobei ausdrücklichbemerkt sei, daß niedrige Vergnügungen, insbesondere sinnlicher Natur,ihm ganz fernlagen.
Nun folgte im Budapester Trinkspruch Wilhelms II. ein wahrhaftdithyrambisches Lob der Magyaren. Mit sympathischem Interesse verfolgeman in Deutschland die Geschichte des ritterlichen Ungarvolkes, dessenVaterlandsliebe sprichwörtlich geworden sei, das Gut und Blut für dieVerteidigung des Kreuzes zu opfern nie gezögert habe. Namen wie Zrinyund Szigeth ließen noch heute das Herz eines jeden deutschen Jünglingshöher schlagen. Mit Bewunderung habe Deutschland beobachtet, wie das