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1 (1930) Vom Staatssekretariat bis zur Marokkokrise
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DIE ERZHERZÖGE

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krieges sagte mir ein dem Wiener Hofe nahestehender, mir seit langen Jahrenbefreundeter österreichischer Aristokrat, die besten Stunden, die der alteKaiser seit dem Beginn des Krieges gehabt habe, wären die gewesen, woer hörte oder las, daß auch diePreißen" einmal eine Schlappe erlittenhätten.

Nach der Paradetafel vom 21. September 1897 fand ein langer Cerclestatt. Die große Zahl der Erzherzöge fiel mir auf. Sie machten, was der FranzFranzose nennt,tapisserie ", d. h. sie standen, meist mit ziemlich ein- F er dir,fältigen Gesichtern und ganz gleichgültigem Ausdruck, einer neben demanderen längs der Wand. Durch sein energisches Gesicht und seine männ-liche Haltung fiel mir nur Erzherzog Franz Ferdinand auf. Wohl lag inseinen Augen etwas von dem bösen, ja grausamen Ausdruck seines Groß-vaters mütterlicher Seite, des vorletzten Königs beider Sizilien, des berüch-tigten Königs Ferdinand IL, den die Italiener wegen des von ihm angeord-neten Bombardements seiner eigenen Stadt MessinaRe Bomba " nannten.Der Gesamteindruck, den ich von dem präsumtiven Thronerben hatte,war doch der, daß er an Willenskraft und Verstand kein gewöhnlicherMensch sei. Eine mir seit vielen Jahren befreundete und intelligenteösterreichische Fürstin nebenbei gesagt ganz schwarz-gelb gesinntsagte mir einmal:Ein Habsburger muß immer in den alten Geleisen blei-ben, sonst endigt er schlecht. Die beiden einzigen über das Mittelmaßhinausreichenden österreichischen Souveräne Karl V. und Josef II. starben, der eine im Kloster von St. Just, der andere an gebrochenemHerzen. Der geistvolle Kronprinz Rudolf brachte sich selbst um, der phan-tastische Kaiser Maximilian wurde in Mexiko erschossen, der hochbegabteJohann Orth wurde von den Wellen bei Kap Horn verschlungen." DieFürstin schloß mit den Worten:Darum sollen die Herren Erzherzögenur hübsch in den alten Bahnen bleiben. Für sie gilt doppelt der schöneVers, den Nestroy in der Metternich-Zeit auf Österreich prägte:

Wenn einer alles kann,Stellen's ihn erst recht net an.Das muß einen antreiben,Ein Esel zu bleiben."

Übrigens konnte der alte Kaiser seinen Neffen und Erben, den Erz-herzog Franz Ferdinand , nicht ausstehen. Es war begreiflich, daß er denNeffen nicht mochte, der an den Platz seines von ihm zärtlich geliebteneinzigen Sohnes getreten war. Die morganatische Heirat des Neffen solltediese Abneigung noch verschärfen.

Nach Auf hebung der Tafel Heß KaiserWilhelm seinen Botschafter in Wien ,den Grafen Philipp Eulenburg , und mich zu sich in sein Appartement