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bleibt man am besten drei Vierteltakte zurück. Das rate icb dir in demAugenbbck, wo du dicb auf ein gefährbcbes Terrain begibst."
Wäbrend des Abendessens bei meinem Bruder erhielt icb ein chiffriertesTelegramm, aus dessen Entzifferung ich ersah, daß in der Hauptstadt vonHaiti, in Port-au-Prince , der deutsche Kaufmann Lüders widerrechtlichverhaftet und unter falschem Vorwand mehrere Wochen im Gefängniszurückgehalten worden war. Unser noch jugendlicher Vertreter, GrafUlrich Schwerin, hatte sich fest und dabei umsichtig benommen. SeinProtest war von seinem nordamerikanischen Kollegen, mit dem er in gutenBeziehungen stand, unterstützt worden. Ich wies Berlin sogleich an, vonder Begierung der NegerrepubHk Entschädigung und Genugtuung zu ver-langen und dieser Forderung nötigenfalls durch Entsendung von Kriegs-schiffen Nachdruck zu geben. So unbeträchtlich dieser Zwischenfall anund für sich war, so bot er doch offenbar ein brauchbares Argument für dieNotwendigkeit unserer Flottenforderung.
Am nächsten Morgen fuhr ich von Frankfurt a. M. nach Schillingsfürst ,
:hbei wo ich mich beim Fürsten Hohenlohe zum Vortrag angemeldet hatte.
nlohe Mein Bruder Adolf brachte mich zum Bahnhof. Es war das letztemal, daßich ihn in diesem Leben sah. Schillingsfürst , der Stammsitz des damaligenReichskanzlers, liegt wie viele fränkische Schlösser auf einer kleinen An-höhe mit weitem Rundblick auf die fruchtbare Gegend. Die Räume desSchlosses machten einen stattlichen, aber keineswegs besonders kom-fortablen Eindruck. Der Fürst legte wenig Wert auf die äußeren Annehm-lichkeiten des Lebens. Er hat nie eine Chaiselongue benutzt, was ich übrigensauch von mir sagen kann. Als Fürst Hohenlohe während seiner PariserBotschafterzeit von nicht ungefährlichen Herzbeklemmungen heimgesuchtwurde und der Arzt ihm tägliches längeres Ausruhen auf einem Sofa drin-gend anriet, machte er die ihm vorgeschriebene Liegekur auf drei hartenRohrstühlen durch. Die Fürstin, die lieber auf der Bärenjagd als im Salonweilte, legte erst recht gar keinen Wert auf Bequemlichkeit. Als der Fürstmich in mein Zimmer führte, machte er mich im Treppenhaus auf einBasrelief aufmerksam, das in sehr realistischer Darstellung Leda mit demSchwan wiedergab. Dabei erzählte er mir, daß einige Jahre früher seinBruder, der Kardinal Gustav Hohenlohe, sich zum Besuch in Schillings-fürst angemeldet und dabei mitgeteilt habe, er werde von einem sehrdistinguierten römischen Prälaten begleitet. In Schillingsfürst habe mansich überlegt, ob das Basrelief nicht besser verdeckt werden solle, abernicht recht gewußt wie. Der Kardinal sei erschienen und wäre an demgefährbchen Gegenstand vorbeigegangen, ohne ihn zu bemerken. DerMonsignore blieb sofort vor dem Basrelief stehen. Die fürstlichen Damengerieten in einige Verlegenheit. Der Monsignore musterte nachdenklich und