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1 (1930) Vom Staatssekretariat bis zur Marokkokrise
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DIE EIDESHELFER

Schöpfung Kaiser Wilhelms des Großen zu erhalten. Die Reichstags-abgeordneten hättenbewegten Herzens und feuchten Auges" seinen Eidentgegengenommen und wären dadurch seineEideshelfer" geworden.Im Angesicht Gottes, des Allmächtigen, und im Andenken an den großenKaiser bitte er sie, ihm zu helfen, seinen Eid zu halten, damit er die Ehredes Reichs wahren könne, für deren Erhaltung er nicht gezögert habeseinen einzigen Bruder einzusetzen. Wie oft bei improvisierten kaiserlichenReden sahen sich die nun einmal nüchtern angelegten, meist durchausspießbürgerlichen Volksvertreter verwundert an, ohne recht zu verstehen,was mit diesem ungewohnten melodramatischen Zwischenspiel im WeißenSaal vor dem Kaiserthron eigentlich bezweckt würde.

Am 6. Dezember begann die Debatte, in der Fürst Hohenlohe mit kaumBüloivs verständlicher Stimme seine Rede verlas, die manche feine und richtigeReichstags- Wendungen enthielt, die aber nicht gehört wurden. Tirpitz und der Staats-Debut sekretär des Reichsschatzamtes von Thielmann waren fast ebenso un-verständüch, beide matt. Der Sozialist Schönlank griff mit persönlichenSpitzen gegen kaiserliche Tafelreden, Weltpolitik und die politische Ohn-macht des Kanzlers die Vorlage an. Ich hatte die Empfindung, daß, wennder parlamentarische Stapellauf der Flottenvorlage nicht mißglücken solle,andere Töne vom Regierungstisch angeschlagen werden müßten. Ich sah,daß von den anwesenden Ministern und Staatssekretären hierzu keiner Lusthatte, daß eine solche Replik von dem greisen Kanzler erst recht nicht Ver-lan gt werden könne. Andererseits stand ich vor einer mir völlig ungewohntenAufgabe. Ich hatte in Paris und Rom, in Bukarest und Athen als Zuschauerparlamentarischen Verhandlungen beigewohnt, aber nur selten und ohneinnere Anteilnahme. Im Deutschen Reichstag war ich nur einmal in meinemLeben gewesen, dreißig Jahre früher, wo ich von einer dem Publikum offen-stehenden Tribüne aus Bismarck über die luxemburgische Frage sprechenhörte. Vor Beginn der Etatsdebatte von 1897 hatten mir meine Kollegenund Mitarbeiter für den Fall, daß ich sprechen müßte, allerlei gute Rat-schläge gegeben. Die einen hatten mir geraten, recht laut zu reden, sonsthöre niemand zu. Andere wieder meinten, laut sprechen verstimme undreize die Abgeordneten, denen eine leise und bescheidene Stimme bessergefalle. Ich hatte mich in keiner Weise auf meine Rede vorbereitet, da mirmit Bestimmtheit gesagt worden war, ich würde keinesfalls am ersten,frühestens am zweiten, voraussichtlich am dritten oder vierten Tage derDebatte zu Worte kommen. Namentlich von linksgerichteten Blättern warvor meinem ersten Auftreten im Reichstag mit mehr Behagen als Witz dasPublikum darauf vorbereitet worden, daß ich parlamentarisch ein völligerNeuling und schon deshalb oratorisch meiner neuen Stellung nicht ge-wachsen wäre. DieLustigen Blätter" hatten nach meinem Eintreffen in