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1 (1930) Vom Staatssekretariat bis zur Marokkokrise
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DAS ROTE TUCH

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Deutschen Kaisers sowohl als meines Mannes. Ich hoffe, Sie verhindern es.Sie werden vielleicht sagen, warum diesen langen Brief gerade heute. Aberich fürchtete, bei dem englischen Diner heute abend könnte der Kaiser sichhinreißen lassen, Versprechen abzugeben, die nachher sehr schwer zuredressieren sind. Falls Sie den Kaiser diesen Vormittag noch sehen sollten,würde vielleicht doch noch ein beruhigendes Wort von Ihnen etwas lang-samere Drehungen der Maschine hervorrufen. Natürlich ist dies ohne Wissendes Kaisers geschrieben. Es sieht hinterrücks aus, aber wo so viel auf demSpiel steht und Sie solchen günstigen Einfluß haben, werden Sie verstehen,wie ich es meine. Ich gebe zu, daß ich gestern leider etwas heftig wurde,daher möchte ich nicht gleich heute wieder von der Sache anfangen. Also,bitte, lassen Sie mich ganz aus dem Spiel. Verzeihen Sie die Länge desBriefes. Ich hätte Sie ja lieber gesprochen, aber das würde noch mehr auf-fallen."

Auch in dieser intimen Äußerung der Kaiserin kommt der vorsich-tige und verständige Sinn zum Ausdruck, den die hohe Frau mit demgütigsten Herzen verband. Leider war ihr Geist dialektisch nicht hinreichendgeschult, um sich gegenüber dem stürmischen Gatten in der Diskussionbehaupten zu können. Im vorhegenden Fall gelang es mir leicht, die Kai-serin zu beruhigen, die dann auch dem englischen Gast mit ihrer gewohntenGüte und Freundlichkeit entgegentrat.

Weniger leicht war die deutsche öffentliche Meinung zu beruhigen, aufdie Cecil Rhodes , wie später Chamberlain, wirkte wie das rote Tuch auf denStier. Die gegen Cecil Rhodes gerichteten Angriffe und Persiflagen warenwenig angebracht gegenüber einem Manne, der einer jener großen Kon-quistadoren war, die das englische Weltreich aufbauten, dem seitdem aufden endlosen Grasflächen Südafrikas ein gewaltiges Denkmal errichtetwurde, eine aus Riesensteinen zusammengesetzte Pyramide zum Andenkendesjenigen, der den Süden des dunklen Weltteils für Großbritannien ge-wann. Cecil Rhodes war übrigens für seine Person ein Freund guter Be-ziehungen zwischen Deutschland und England . Er stiftete nach seinem Be-such in Berlin eine größere Summe, um deutschen Studenten den Besuchenghscher Universitäten und englischen Studierenden das Studium andeutschen Hochschulen zu erleichtern. Der Gedanke fand in beiden Län-dern Anklang. Die deutschen Studenten in Oxford bildeten einen Anglo-German-Club, dem auch zahlreiche Engländer beitraten. Die jungen Herrenhatten im Frühjahr 1914 die Liebenswürdigkeit, mich zum Ehrenpräsiden-ten ihrer Vereinigung zu wählen. Ich werde seinerzeit berichten müssen, wieder Anglo-German-Club in Oxford gerade im Begriffe stand, sein Stiftungs-fest unter Beteiligung zahlreicher enghscher Notabilitäten zu feiern,als das Berchtold-Bethmannsche Ultimatum und unsere diplomatische

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