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1 (1930) Vom Staatssekretariat bis zur Marokkokrise
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DIE OFFENE TÜR

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die von beiden Mächten in China zu verfolgende Politik ein Abkommen ge-troffen, das in nuce folgendes festsetzte:

1. Für die Angehörigen aller Nationen offene Tür in allen an denFlüssen und an der Küste Chinas gelegenen Häfen, insbesondere auch indenjenigen Teilen des chinesischen Gebiets, wo England und Deutschland einen Einfluß ausüben könnten.

2. Aufrechterhaltung des unverminderten Territorialbestands deschinesischen Reichs.

3. Sollte eine andere Macht die chinesische Komplikation benutzen,um unter irgendeiner Form territoriale Vorteile zu erlangen, so behaltenDeutschland und England sich vor, sich untereinander über etwaige Schrittezur Sicherung ihrer eigenen Interessen in China zu verständigen; sie wollenihrerseits die gegenwärtige Verwicklung aber nicht benutzen, um für sichterritoriale Vorteile auf chinesischem Gebiet zu erlangen.

Dieser Vertrag sollte allen in China interessierten Mächten, also Frank-reich, Itaüen, Japan, Österreich-Ungarn, Rußland und den VereinigtenStaaten von Amerika , mit der Aufforderung mitgeteilt werden, den darinniedergelegten Grundsätzen beizutreten. Die nächste Folge dieses Vertrageswar, daß in England die ministeriellen Blätter meine Ernennung zumReichskanzler mit Beifall begrüßten. Dagegen griffen mich die russischen Blätter wegen des deutsch -englischen China-Vertrages scharf an. DieNowosti" erklärten, daß ich den Verstand verloren hätte, dieNowojeWremja" drohte mit einem Gegen vertrage zwischen Rußland, Frankreich ,Amerika und Japan .

Bei meiner an diese Vorgänge anknüpfenden Betrachtung der inter-nationalen Lage wandte ich naturgemäß meine Blicke zunächst unserem Österreich -österreichisch-ungarischen Bundesgenossen zu. Uber seine innere Schwäche Ungarn und fortschreitende Zersetzung durch die Hybris der Magyaren, die Arro-ganz der Polen , die durch den österreichischen Hochadel genährte Uber-hebung der Tschechen war ich mir nie im Zweifel gewesen. Die Zertrümme-rung der Doppelmonarchie durften wir nicht zulassen, denn dann standenwir, nachdem Caprivi und Marschall leider den Draht mit Rußland zer-schnitten hatten, allein auf weiter Flur, und bei einem kontinentalen Kriegkonnte uns England zu Lande nicht viel helfen. Wenn wir aber die habs-burgische Monarchie weder vernichten noch durch ungeschickte Behand-lung in das gegnerische Lager treiben durften, so war andererseits eine dervornehmsten Pflichten unserer Politik, Österreich zu führen, nicht aber unsvon Österreich in einen unheilbaren Gegensatz zu Rußland drängen odergar in einen Krieg mit Rußland verwickeln zu lassen. Die habsburgischeMonarchie glich einem alten, halb ruinierten Kavalier, der allmählich in dieStimmung geraten ist, mit Galgenhumor alles auf eine Karte zu setzen.