DEM KAISER EIN VERGNÜGEN MACHEN
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sich durch etwas größeres Entgegenkommen Deutschland gegenüber jeden-falls vermeiden ließe.
Lord Salisbury , dem die Erwähnung der Unterhaltung mit Mr. Goschenund die Äußerung desselben wenig erwünscht schien, war auf keinenähere Erörterung zukünftiger politischer Eventualitäten eingegangen.Als Graf Hatzfeldt ihn durch Hinweis auf die Unsicherheit der Zukunftdrängte, bemerkte ihm Lord Salisbury, daß England in gewissen Fällennach seinem Wappenspruch würde handeln müssen: „Dieu et mon droit."Er hatte höflich hinzugefügt, daß er an der freundschaftlichen Absicht derSondierung des Botschafters durchaus nicht zweifle. Seine persönlicheGereiztheit wäre aber sofort wieder hervorgetreten, als Graf Hatzfeldt dieUnterredung von neuem auf Marokko lenkte. Nachdem sich Lord Salisbury längere Zeit gedreht und gewendet hätte, um jeder eingehenden Äußerungzu entgehen, meinte er, sein Hauptgrund gegen die fragliche Abmachungsei seine entschiedene und grundsätzliche Abneigung gegen alle Verträge,durch die das Besitztum noch lebender Eigentümer im voraus geteiltwerden solle. Als Graf Hatzfeldt einwandte, daß Lord Sabsbury ganz das-selbe seinerzeit bezüglich der Kolonien des England befreundeten Portugal getan habe, hatte der Premierminister lebhaft erwidert, dies habe Mr. Bal-four getan, den er dafür nicht tadeln wolle; er, Salisbury, würde das deutsch-englische Abkommen über die portugiesischen Kolonien nicht geschlossenhaben.
Auf die sofortige und bestimmte Einwendung des Botschafters, daßer 1899 den wesentlichsten Teil jenes deutsch -engbschen Abkommensmit Lord Salisbury selbst verhandelt und festgestellt habe, hatte LordSalisbury mit den Achseln gezuckt und wiederholt, er würde jenes Ab-kommen mit uns nicht abgeschlossen haben. Als Graf Hatzfeldt fernergeltend machte, daß es jetzt darauf ankomme, die durch mancherleiZwischenfälle, wie Samoa, getrübten Beziehungen zwischen Deutschland und England wiederherzustellen, und daß die Berücksichtigung unsererInteressen in Marokko der beste Weg dazu sei, hatte Lord Salisbury miteiner gewissen Bitterkeit erwidert: „Sie wollen Ihrem Kaiser damit einVergnügen machen, und da soll ich mittun." Im weiteren Verlauf seinesBriefes an Holstein erbat Graf Hatzfeldt meine Zustimmung dazu, daß erderartige gereizte persönliche Äußerungen des Premierministers, insbe-sondere gegen Seine Majestät den Kaiser, nicht zum Gegenstand seineramtlichen Berichterstattung mache, weil dadurch, wie die Dinge lägen, dergrößte Schaden angerichtet werden würde. Er werde nicht unterlassen,alles zu tun, damit die gereizte Stimmung des englischen Premierministersgegenüber Seiner Majestät dem Kaiser durch eine ruhigere, objektiveAuffassung der poHtischen Situation ersetzt würde. Dazu gehöre aber Zeit.
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