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grundsätzlich jeden nach seiner Fasson selig werden lasse. Ich müßte abervon ihm die bestimmte Zusage verlangen, daß er den Kaiser nicht mitseinen spiritistischen Neigungen anstecke und nicht etwa zu spiritistischenSpielereien verleite. Das sei bei dem Naturell Sr. Majestät zu gefährlich.Nachdem mir die Mutter Seiner Majestät, die Kaiserin Friedrich , gesagthatte, sie bäte mich dringend, dafür zu sorgen, daß Eulenburg nicht etwaseinen kaiserlichen Freund spiritistisch infiziere, denn das würde „dasEnde" sein, hatte ich mit Philipp Eulenburg eine ernste Auseinander-setzung. Ich verlangte und erhielt von ihm sein Ehrenwort, daß er nichtversuchen werde, den Kaiser für den Spiritismus zu gewinnen oder inspiritistische Gedankengänge einzuspinnen.
Am 5. Juli 1900 schrieb er mir aus Brunsbüttel: „Der Fürst von Monako war eben hier. Bei der langen Unterhaltung mit ihm sagte der Kaiser, daßjetzt von Frankreich gar nicht mehr die Rede in China und dem Osten sei,nur Rußland und Deutschland sprächen — alles andere schwiege. Diepersönliche Verbindung zwischen ihm und dem Zaren wäre so intim undnahe wie kaum jemals vorher seit Lebzeiten Alexanders II . Ich möchteannehmen, daß Monako die interessante Nachricht an seinen Gefährtenauf der ,Alice', den ehemaligen französischen Konsul in Hamburg ,schleunigst mitteilt." Der Fürst von Monako gehörte zu den Ausländern,denen der Deutsche Kaiser trotz aller Warnungen mit menschlich rühren-dem, politisch blindem Vertrauen entgegenkam, die er nicht nur seinerFreundschaft würdigte, sondern denen er auch vieles sagte, was sie nichtzu hören brauchten.