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1 (1930) Vom Staatssekretariat bis zur Marokkokrise
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HINTER DEM RÜCKEN

glaube, im Lande wird man auch sehr unzufrieden sein. Nun noch derGeburtstag außer Landes. Ich kann nur sagen, ich habe einen morabschenKater." Telegraphisch berichtete mir die Kaiserin noch von Friedrichshof:Trotzdem Kaiserin Friedrich durch den Tod der Mutter zuerst natürlichtief bewegt war, fand ich sie bereits sehr gefaßt. Sie fragte sehr, ob derKaiser bald zurückkäme, schien sehr den Wunsch zu hegen, den Kaiserbald zu sehen."

Die Nachteile eines zu langen Aufenthalts leuchteten auch dem England Graf freundlich gesinnten Grafen Paul Metternich ein, der mir am 23. Januar

Metternich sichtlich präokkupiert in diesem Sinne telegraphierte. Am 24. Januar1"/^tMt scn " e k er m ^ r scnon beruhigter:Wechselnde Bilder ziehen rasch an einem

in England voruDer > un & ich empfinde heute weniger die Befürchtungen, die ich Ihnengestern über einen längeren Aufenthalt Seiner Majestät in Osborne aus-sprach. Die Einladung des Kronprinzen zum Geburtstag Seiner Majestätist auf die eigene Initiative des neuen Königs von England zurückzuführen.Ich habe gestern Gelegenheit gehabt, Seine Majestät in dürren Worten aufdie Gefahren von Indiskretionen nach Rußland hin aufmerksam zu machen,und ich glaube, daß Seine Majestät, soweit die Zukunft in Betrachtkommt, meine Bemerkungen nicht unberücksichtigt lassen wird."Phibpp Eulenburg, der viel Flair hatte, schrieb mir wenige Tage nach demTode der Königin Victoria aus Wien: Mir wird bange, wenn ich an dengehebten Herrn in Osborne denke: Was wird er alles reden! Wie ein Kindzwischen diesen trotz aller Trauer rohen Naturen wandelnd. In ihrer Mitteverhert er auch alle seine sonstige ,Gerissenheit'. Eine Art treuherzigeVerlegenheit tritt ein, und es wäre dem ersten besten leicht, ihm alle seineSeelengeheimnisse (und unsere Staatsgeheimnisse) zu entreißen. Dabeiüberall im Wege! Die Familie schimpft hinter seinem Rücken, und dieeigenen Adjutanten ringen die Hände und wollen nach Hause. Mich machttrotz allen Ernstes und der wahrenTrauer, die er empfindet, der Gedankelächeln, wie er die tote Großmutter ,ausschlachtet', um sich eine Zeitlangvon ,Muttern' zu drücken. Hoff entheb bekommt ihm das Spazierengehenin Osborne und das Herumfahren bei Cowes zu allen Kriegsschiffen, dieihn mit der denkbar größten Nonchalance empfangen, gut; das ist schließ-lich die Hauptsache. Der ,New York Herald' hat meine bevorstehendeErnennung zum Statthalter im Elsaß gebracht. Gott weiß, woher dasstammt! Wenn es auch der einzige Posten ist, den ich gern nähme, sohörte ich weder, daß der Langenburger zurücktreten will, noch, daß AdolfSchaumburg eine andere Unterkunft haben sollte." Fürst Hermann zuHohenlohe-Langenburg war Statthalter der Reichslande. Den PrinzenAdolf zu Schaumburg-Lippe, den Schwager des Kaisers, fürchtete Philials Konkurrenten für Straßburg, wohin er selbst kommen wollte. Mit