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DER HASS GEGEN BISMARCK
zu bestärken, banale Höflichkeiten und nichtssagende Phrasen als sachlicheErfolge und politische Werte einzuschätzen. Wenn ich mich nicht täusche,hat General Bonnal ebenso wie ein anderer französischer höherer Offizier,General Lacroix, mit dem der Kaiser bei dessen Kommandierung zu einemdeutschen Manöver gleichfalls Freundschaft schloß, sich verpflichtet ge-fühlt, als es zum Krieg kam, den Deutschen Kaiser mit besonderer Gehässig-keit zu beschimpfen und zu verhöhnen. Ich glaube, es war General Bonnal ,der damals schrieb: das größte Glück, das Gott Frankreich bescherenkönne, wäre, wenn Wilhelm II. selbst den Oberbefehl über das deutscheHeer übernähme.
Auf den 16. Juni 1901 war die Enthüllung des Bismarck-Denkmals inEnthüllung Berlin angesetzt. Das innerliche Verhältnis Wilhelms II. zu dem gewaltigstendes Berliner Minister, den Deutschland gesehen hat, ist schwer in wenigen Worten zuBismarck- sc } 1 y ( j ern- j) er Kaiser haßte Bismarck, konnte sich aber nicht verhehlen,daß dieser ein großer Mann war. Er wünschte es ihm gleichzutun, wo-möglich ihn zu übertreffen, merkte aber allmählich, das dies nicht ganzleicht war, und das erbitterte ihn. Er begriff nie, daß der Genius sich nichtkopieren läßt. Dann wollte er, was ihm an Genie fehlte, durch die göttlicheGnade ersetzen, die aber auch nicht zu erzwingen ist, selbst dann nicht,wenn der Fürst, der sie herabfleht, sich noch so oft als Instrument desHimmels und Haushalter Gottes proklamiert. Es kamen auch Zeiten,wo Wilhelm IL, dann ganz der Sohn seiner rationalistischen Mutter, meinte,daß angeborene und nicht unbeträchtliche Begabung, Rührigkeit, englischerCommon sense in der Welt weiter führten als Genialität. Im Notfall solltees die Gewalt, Polizei und Heer, schaffen. In seinem Größenwahn wurdeKaiser Wilhelm IL, wie einst der blinde König Georg von Hannover, wiedie Stuarts in England und die Bourbonen in Frankreich, wie FriedrichWilhelm Il.von Preußen und so manche andere Fürsten, durch schmeichelndeHöflinge, leider auch hier und da durch charakterlose Gelehrte, wieTheodor Schiemann und Adolf Harnack, bestärkt.
Während meiner langen Ministerzeit hatte ich in jedem Jahre Gelegen-Professor heit, in der Universität, in der Akademie und in der Königlichen Bibliothekvon Harnack Ansprachen des Professors Adolf von (er war auf seine Bitte von Wilhelm II.
in den erblichen Adelsstand erhoben worden) Harnack anzuhören, die anByzantinismus alles übertrafen, was sich Beamte oder Militärs bei uns jegeleistet haben. „Zuhöchst richtet sich unser Dank an unsern allergnädigstenProtektor, König und Herrn!" rief bei der Zweihundert-Jahrfeier derAkademie am 20. Mai 1901 Professor Harnack dem Kaiser Wilhelm II. zu.(Man beachte die neue Blume am Strauch der Rosiflora ByzantinissimaLinn., die Wendung, daß ein Dank sich „Zuhöchst" richtet.) „Königlichhat er, der Kaiser, unsere Akademie durch Allerhöchst Sein Erscheinen