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meisten Minister. Sie sind nicht wie ich mit Staatsmännern aller Länderpersönlich befreundet. Ich will mich Ihnen nicht aufdrängen, ich sehne michgar nicht nach politischer Betätigung. J'en ai pardessus la tete. Ich freuemich, daß ich endlich meine Ruhe habe. Ich möchte fast über das Portalder Villa Malta die Worte schreiben, die einst ein berühmter englischerStaatsmann, Lord Brougham , den ich mir im übrigen nicht zum Vorbildnehmen möchte, nach seinem Rücktritt über die Eingangstür seiner Villain Cannes setzte:
Inveni portum, spes et fortuna valete!Sat me ludistis, ludite nunc alios.
Aber Ihnen, ich wiederhole es noch einmal, stehe ich jederzeit und fürjede Rückfrage zur Verfügung." Der herzliche Ton, in dem ich das sagte,schien auf Bethmann Eindruck zu machen, sein Gesicht nahm einen gutenAusdruck an.
Unsere zweite Unterredung nahm einen freundlichen Verlauf. Ich rietBethmann, baldmöglichst zu dem von mir in Angriff genommenen Ab-kommen mit England über das Tempo der Schiffsbauten zu gelangen. Erwürde es in dieser Beziehung mit Seiner Majestät dem Kaiser weit leichterhaben als ich. Er habe für den Kaiser noch den Reiz der Neuheit, währendich mich gegenüber dem hohen Herrn schon sehr verbraucht hätte. Ermöge sich nicht der Illusion hingeben, als ob sich das deutsch -englischeVerhältnis von heute auf morgen zu einem ganz intimen, rückhaltlos-vertauensvollen gestalten lasse. Was wir aber erreichen könnten, wäre, daßdie deutsch -englischen Beziehungen sich nicht verschlechterten, sondernkorrekt und normal blieben. Mehr zu erwarten oder anzustreben, hießedie traditionelle englische Politik vergessen. Seit Jahrhunderten habeEngland jeder politisch oder wirtschaftlich aufsteigenden Macht miß-trauisch, unter Umständen feindlich gegenübergestanden. Das hättennacheinander Spanien, Holland, Frankreich, Rußland erfahren. Unserbeispielloser wirtschaftlicher Aufschwung, unsere große politische Macht-stellung, insbesondere unsere stürmischen Fortschritte in Handel undSchiffahrt stünden jetzt für England im Vordergrund seiner Betrachtung,seiner Beobachtung und seiner Sorge. Daraus folge noch nicht, daß einKrieg mit England zu erwarten oder gar daß er unvermeidlich sei. Wirmüßten aber dafür sorgen, daß sich die Beziehungen zu England nichtverschlechterten. Das sei mit Vorsicht und Takt zu erreichen. König Eduard sei nicht kriegerisch, wenn auch politisch sehr unbequem. Er würde unsnicht überfallen. Er würde auch nicht ewig leben. Bei meiner letzten Be-gegnung mit ihm seien mir der hippokratische Zug in seinem Gesicht, seinfetter Hals, sein schwerfälliger Gang aufgefallen. Sein präsumtiver Nach-