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3 (1931) Weltkrieg und Zusammenbruch
Entstehung
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EIN GESTÜRZTER

Ebert als Kabinettschef auf. Der biedere Ebert ließ sieb aber diesenAdlatus, der ibm weder als Charakter noeb als Arbeitskraft genügte, nichtlange gefallen und setzte ihm bald den Stuhl vor die Tür.

Unter so manchen Beweisen von Wohlwollen und Anerkennung, die ichBrief des bei meinem Rücktritt erhielt, berührte mich wehmütig und schmerzlichFürsten em Brief von Philipp Eulenburg. Ich hatte mich bemüht, soweit diesEulenhurg j m R anmen me iner Amtspflicht zulässig war, ihm während seiner gegenmeinen Wunsch und trotz meines dringenden Abratens angestrengtenProzesse und insbesondere nachdem in Folge der Aussage eines Starn-berger Fischers seine Verhaftung erfolgt war, sein bitteres Los zu er-leichtern, wobei mir Renvers, der Arzt und Menschenfreund, behilflich war.Gesehen hatte ich den armen Phili nicht mehr, seitdem ich in meinemProzeß gegen denSchriftsteller" Brandt seine melancholische Gestalt imHintergrunde des Gerichtssaales erbhekte. Nach meinem Rücktritt erhieltich von ihm den nachstehenden Brief:

Lieber Bernhard, ich habe Dir seinerzeit geschrieben oder durchAlfred mitteilen lassen, daß ich Dir nicht schreiben würde, solange Duim Amte seiest. Ich fand, daß es meine Freundschaftspflicht sei, Dirnicht durch irgend etwas die Schwierigkeiten zu vergrößern, die Dir,in einer grausamen Verkettung von Umständen, durch unsere alte,hundertfach bewährte Freundschaft erwachsen waren. Auch heute nochhätte ich Dir nicht geschrieben, wenn mir nicht der Zufall eine Zei-tungsnotiz in die Hand gespielt haben würde, wonach Du in den nächstenTagen mit Deinem Bruder Alfred in Bern vereint sein würdest. Espackte mich eine heiße Sehnsucht, wie in alter Zeit in Eurer hebenMitte sein zu können! Und da ich Alfred längst schreiben wollte, ent-stand nun auch dieser Brief an Dich, der keinen besonderen Zweck zuerfüllen hat. Immerhin soll er Dir einiges sagen, was mich Deinetwegenbeschäftigt. Mein Schicksal will ich versuchen mit Schweigen zu übergehen.Du hast so viel, mein Glück, mein Empfinden und Denken meine Mutter,meine Kinder, Augusta gekannt, um genau zu wissen, wie nun diesesmein Schicksal ist. Und ich meine, Du bist nicht der Mensch, der vergessenkönnte, was uns verbindet. Ich lese als einzige Zeitung den ,Tag'. Beimeinem bis zur Übelkeit gesteigerten Widerwillen gegen Politik wählteich dieses unpolitische Blatt, um ungefähr zu wissen, wie es in der Weltaussieht. Und zwischen den Zeilen zu lesen haben wir ja beide gelernt.Darum habe ich auch Deinen Wegen genau folgen können. Deinen Rück-tritt betrachte ich als ein nationales Unglück, und ich habe dasGefühl, nun auf einem Schiff zu fahren, auf dem der Kapitän einSchauspieler, der erste Steuermann ein Alpinist ist. Der Kapitän glaubtüberdies, daß es le moment venu sei, um durch eine ,kolossale' Fahrt