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3 (1931) Weltkrieg und Zusammenbruch
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EIN DUMMER BÜLOW?

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jährige Reisebegleiter unseres alten Kaisers und spätere Gesandte in Rom ,Otto von Bülow . Mein Vater frug, ob vier Bülows nicht etwas zu viel wären,worauf der Fürst freundlich erwiderte: ,Von der Sorte können wir nichtgenug bekommen.' Und als ich einige Tage später dem großen Manne alsAttache vorgestellt wurde ich sehe ihn noch vor mir, die Riesenfigur, diebuschigen Augenbrauen, das tiefe, unergründliche Auge, da frug ermich in seiner humorvollen Art und mit der leisen und feinen Stimme, diebei seiner Reckengestalt doppelt eindrucksvoll war: ,Haben Sie schoneinmal einen dummen Bülow gesehen?' Nun, ich bin immer ehrlich gewesen.,Alle Bülowen ehrlich' lautet unser alter Wappenspruch, und die Wahrheitist, daß es auch bei uns minder Erleuchtete gibt. Also ich antwortete demFürsten : ,Jawohl, ich habe auch dumme Bülows gekannt aber nichtviele!' Da lachte der Fürst und erzählte uns, in seinem elterlichen Hausehabe ein Major Bülow verkehrt, der ein großer L'hombre-Spieler gewesensei und dabei einen unbändigen Stolz auf seinen Namen besessen habe. Derhätte mit Vorliebe die Äußerung des genialen, aber unglücklichen Dietrichvon Bülow wiederholt, der von seinem Bruder Friedrich Wilhelm, demDennewitzer, zu sagen pflegte: ,Mein Bruder Friedrich Willielm ist derdümmste von uns Brüdern, aber immer noch der beste Offizier der Armee.'Nun, so viel Selbstgefühl wie dieser Dietrich braucht ein junger Bülow nichtzu entwickeln. Unsere Pflicht aber ist es, daß unsere Familie für den Militär-und Zivildienst stets ordentliche Leute stellt. Als der Mecklenburg-Schwerinsche Oberhofmarschall Bernhard Joachim von Bülow er warmein Urgroßvater an der Spitze einer Ständischen MecklenburgischenDeputation in Warschau vor Kaiser Napoleon stand, um die Wieder-einsetzung des von den Franzosen vertriebenen rechtmäßigen Landesherrnzu betreiben, imponierte seine würdige Haltung in so schwieriger Lage demImperator so sehr, daß er zu seinen Marschällen sagte: ,Zu französischenMarschällen habe ich euch machen können, aber zu mecklenburgischenEdelleuten kann ich euch nicht machen.' Von demselben Bernhard Joachimvon Bülow heißt es in unserem alten Familienbuche, dessen VerfasserPaul von Bülow, der Vater unseres Vetters, des Generalobersten, war, ersei ein vollkommener Hofmann gewesen, verbunden mit der Freimütigkeitund Festigkeit eines echten Edelmannes. Solche Beispiele mögen unsererFamilie stets vor Augen stehen, damit sie weiter ihre Schuldigkeit tut."

Am Schluß meiner Rede wies ich darauf hin, daß unser Geschlecht stolzdarauf wäre, diejenige adlige Familie zu sein, die der Armee die meistenOffiziere stellte. Als ein Jahr später der Weltkrieg ausbrach, kämpften unterder ruhmvollen schwarz-weißen Fahne an hundert direkte Nachkommendes Ritters Godofridus de Bülowe, der 1239 die Stammreihe der Familiebeginnt. Zweiunddreißig von ihnen, ein gutes Drittel, besiegelten ihre Treue

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