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3 (1931) Weltkrieg und Zusammenbruch
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DER MANN DES SCHICKSALS

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sagte, daß er unserem Staatswesen, dem Beamtentum und der Armeeseinen starken und großen Stempel aufgedrückt hat. Die Abschüttelung derFremdherrschaft war überwiegend das Werk von Preußen . Wir erinnern unsdaran nicht aus Ruhmredigkeit oder Uberhebung, sondern weil es die histo-rische Wahrheit ist. Dieses kleine und arme, von Napoleon ausgesogene undzerschlagene Preußen, das kaum fünf Millionen Einwohner zählte, stelltedreihunderttausend Mann ins Feld. Es stellte vor allem den Geist, denGeist von Scharnhorst und Stein, von Blücher und Yorck, von Heinrichvon Kleist und Theodor Körner, von Ernst Moritz Arndt und FriedrichLudwig Jahn, von Schleiermacher und Fichte, den Geist der Männer, derenBilder unsere Dennewitzer Gedenkhalle schmücken. Dieser Geist wiesDeutschland die Wege. Nur so lange es den Hauch dieses Geistes verspürt,ist Deutschland auf dem rechten Wege." Ich schloß:Am Tage nach derSchlacht von Dennewitz schrieb der Sieger an seine Frau: ,Es kommt nurdarauf an, daß wir unsere Siege nutzen, und wir werden bald Herr vonDeutschland sein.' Diese Hoffnung ging damals nicht in Erfüllung. Einhalbes Jahrhundert mußte vorübergehen, bis der Mann des Schicksals kam,der gewaltige Staatsmann, der, getragen von dem Vertrauen seines könig-lichen Herrn, mit ihm die Kraft des preußischen Staates in das richtigeBett, in das Strombett des deutschen Einheitsgedankens leitete und mitgenialem Blick die rechte Stunde traf, das von König Wilhelm mit Weisheitund Tatkraft, mit tiefer Einsicht und in langer Treue neugeschärfte preu-ßische Schwert in die Schale zu werfen, die Reiche wägt. Da kam der Tagder Erfüllung für alle Hoffnungen und Wünsche, der volle Lohn für dieOpfer und Mühen des Jahres 1813. Und als 1870 wiederum Kriegsruf er-klang, konnte der Prophet des nationalen Gedankens, Heinrich vonTreitschke , in seinem Liede vom Schwarzen Adler zum preußischenKönigsaar sprechen:

Erfüllet sind die Zeiten,Wahrheit wird der Dichtung Traum.Deinen Fittich sollst du breitenÜber Deutschlands fernsten Raum.Nimm der Staufer heil'ge Krone,Schwing den Flamberg der Ottone,Unseres Reiches Zier und Wehr:Deutschland frei vom Fels zum Meer!"

Als ich mit diesen Worten auf die Via triumphalis hinwies, die vonDennewitz über Sadowa nach Sedan und Versailles führt, glaubte ich nicht,daß ein Jahrzehnt später der deutsche Reichspräsident Ebert bei der fünf-undsiebzigj ährigenFeier" des Zusammentritts der Frankfurter National-