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3 (1931) Weltkrieg und Zusammenbruch
Entstehung
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BEGINN DES JAHRES 1914

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Liebling des Kanzlers Bethmann, an die um ihn versammelte deutsche Kolonie in Rom in meiner Gegenwart eine offenbar sorgsam vorbereiteteund auswendiggelernte Rede, in der er wörtlich erklärte: Auf die inter-nationale Lage könne das Auge des Patrioten mit Genugtuung und vollerZuversicht blicken. Dank der Weisheit des Reichskanzlers Bethmann undder Klugheit des Staatssekretärs Jagow sei unsere Stellung in der Weltsehr günstig. Die Friedensliebe und das Friedensbedürfnis aller Mächteseien gleich lebhaft und gleich aufrichtig. Sie alle sähen mit Vertrauen undmit warmer Sympathie auf uns und unsere gegenwärtigen diplomatischenLenker:

Sie wissen gar nichtsVon stillen Riffen;Und wie sie schiffen,Die lieben Heitern,Sie werden wie gar nichtsZusammen scheitern.

Mit solchen Äußerungen chronischer Selbstzufriedenheit des amtlichenund halbamtlichen Deutschland stand die Auffassung selbst uns wohl- p e ter Carpgesinnter Politiker des Auslands nicht ganz im Einklang. Im April 1914 in Rom besuchte mich in Rom mein alter Bukarester Freund Peter Carp. Ich fuhrihn in meinem Auto an einem herrlichen Frühlingstage nach der VillaAdriana. Während wir an der Poikile auf und ab gingen, wo vor achtzehnJahrhunderten der eitle Kaiser Hadrian mit seinen Philosophen zupromenieren hebte, blieb Carp plötzlich stehen und sagte mir in seinerabrupten und originellen Art:Sie sehen vor sich den letzten zuverlässigenDreibundsfreund, den es in Bukarest noch gibt." Er erläuterte mir daraufmit ernstem und sorgenvollem Gesicht seine Boutade. Rumänien habe sich,wie ich als langjähriger deutscher Vertreter in Bukarest besser wisse alsirgend jemand, dem Dreibund nur in der Erwartung angeschlossen, daßdessen Führung bei Deutschland bleiben würde, denn zwischen Rumänien und Österreich-Ungarn oder vielmehr zwischen Rumänien und der trans-leithanischen Hälfte der Doppelmonarchie bestünden scharfe Gegensätze.Seit meinem Rücktritt habe man in Rumänien, ähnlich wie in Italien , denEindruck, daß die Leitung des Dreibundschiffes von Berlin nach Wien geglitten sei. Einem von Österreich-Ungarn dirigierten Dreibund würdeRumänien im Falle kriegerischer Komplikationen schwerlich folgen.Ichselbst werde, was auch kommen mag, Deutschland treu bleiben, als alterBonner Borusse, treu meinem Gelübde: ,Borussia, dir gehör' ich, obJüngling oder Greis, zu deiner Fahne schwör' ich, der Fahne schwarz undweiß!' Aber ich werde, wenn es zum Klappen kommen sollte und die