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3 (1931) Weltkrieg und Zusammenbruch
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GEGENTENDENZEN

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Den vorher erwähnten Brief an Herrn von Bethmann deponierte ich beimeinem Generalbevollmächtigten in Hamburg , Herrn Heinrich Meinecke,in dessen Safe er geruht hat, bis ich ihn mir jetzt, während ich meine Denk-würdigkeiten diktiere, wiedergeben üeß. Ich will schon hier erwähnen,daß Bethmann und Jagow nur sehr ungern darauf verzichteten, die Rück-kehr des Herrn von Flotow auf den römischen Botschafter-Posten desseneigenem Ermessen anheimzustellen. Am liebsten wäre es ihnen gewesen,wenn Flotow sich nach wenigen Wochen gesund gemeldet und die Zügelder Botschaft wieder in die eigene kräftige Faust genommen hätte. Da diesnicht mehr anging, wurde flotow wenigstens ermächtigt, in Itab'en zubleiben und alles Weitere in dem milden Klima von Neapel am schönenPosilipo abzuwarten. Von dort hat Flotow während meiner ganzen Tätig-keit in Rom Privatbriefe an Jagow und Bethmann gerichtet. Das Themaseiner Ausführungen war: Italien denke gar nicht daran, zu den Waffenzu greifen. Fürst Bülow schildere die Lage gefährlicher, als sie in Wirk-lichkeit sei, um sich auf diese Weise einen beememen und leichtenErfolg zu konstruieren. Jagow sekundierte seinem gehebten Freunde nachKräften.

Als unsere gute Kaiserin in Gegenwart ihrer Oberhofmeisterin, meinerKusine, der Gräfin Therese Brockdorff, am Tage meiner Abreise nach Rom Der Trentino Herrn von Jagow, der eine Audienz bei ihr nachgesucht hatte, die innigeHoffnung aussprach, es werde mir gelingen, Italien neutral zu halten, er-widerte der Staatssekretär des Äußern:Aber, Euer Majestät, die Aufgabeist so leicht! Wir haben dem Fürsten Bülow den Trentino in seinemKoffer milgegeben. Damit kann jetzt jeder Italien vom Kriege ab-halten."

Das war eine Unwahrheit. Wir hatten hinsichtlich des Trentino vonWien noch nicht die geringste bindende Zusage erhalten. Im Gegenteil:Jagow hat auch später, und zwar während der ganzen Dauer meinerMission, durch mündliche Äußerungen gegenüber dem österreichischenBotschafter in Berlin, durch Briefe an den deutschen Botschafter in Wien und endlich durch die Entsendung des gehässig antiitalienischen und dabeimir, gerade weil er mir früher in unwürdiger Weise geschmeichelt hatte,jetzt doppelt feindlich gesinnten Grafen Anton Monts nach Wien , dieÖsterreicher von einem raschen und ehrlichen Entgegenkommen gegenüberden italienischen Kompensationswünschen abgehalten. Herr von Flotowseinerseits hatte wohl nur im Sinne seines Chefs und Freundes, desStaatssekretärs Jagow, gehandelt, wenn er, bevor er Rom verließ, umsich nach der bella Napoli zurückzuziehen, zu dem Botschaftsrat vonHindenburg, einem vornehm gesinnten, pflichttreuen und wahrheits-liebenden Ehrenmann, wörtlich sagte:Fürst Bülow hat es durch allerlei