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3 (1931) Weltkrieg und Zusammenbruch
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EIN WITZ ÜBER DEUTSCHE DIPLOMATEN

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Durchlaucht werden das schon durchschaut haben und auf dem Ganzenbestehen. Und sicherlich wünsche ich, als Euer Durchlaucht treuest er-gebener Anhänger, wie jetzt selbst Eurer Durchlaucht alte Gegner, daß baldzu lesen ist, Euer Durchlaucht seien dem Reichsdienst wiedergegeben."

Ende November 1914 schrieb mir Fürst Wedel, er habe den General-adjutanten von Plessen auf dievöllige Unzulänglichkeit" der deutschenVertretung in Rom hingewiesen. Er habe dabei diedirekt skandalöse Tat-sache" betont, daß Frau von Flotow sich in Stockholm verstecke, weil siesich nicht zu ihrem deutschen Manne zu bekennen wage, daß sie dort inenger Fühlung mit der russischen Gesandtschaft stehe und daß der Stief-sohn unseres römischen Botschafters in den Reihen unserer Feinde gegenuns kämpfe. Jagow sträubte sich noch immer gegen die Abberufung seinesBusenfreundes". Aber die Zeiten wären so ernst, daß alle Mann an Bordgehörten. Loebell schrieb:Durch Annahme der Berufung nach Rom bringen Sie ein großes Opfer, aber ich bin überzeugt, es wird gern gebracht,denn zu allen Zeiten war das Wohl des Vaterlandes die einzige RichtschnurIhrer Handlungen. Es will mir scheinen, als ob die Stimmung in Itaüengerade jetzt wieder viel zu wünschen übrig läßt. Es ist dort gar zu vielverdorben und zu viel Unheil angerichtet worden, was doch hätte vermiedenwerden können." Mein verständiger und abgeklärter Bruder Alfred schriebmir, sobald er von der Möglichkeit meiner Entsendung nach Rom hörte,ich dürfe mich trotz aller Schwierigkeiten, trotz aller gegen mich gerichtetenUmtriebe und Intrigen, trotz der Unzuverlässigkeit und Unaufrichtigkeitder Berliner Leitung einem Rufe des Kaisers nicht entziehen. Er fügte hinzu:Gebe Gott , daß in einer so schwerwiegenden, so ernsten, unser Land undsein Wohl betreffenden Frage bei der Leitung unserer auswärtigen An-gelegenheiten nur vaterländische Gesichtspunkte und nicht persönlicheEngherzigkeit und Interessiertheit eine Rolle spielen werden! Das wäre un-verantwortlich. Übrigens ist die Mißstimmung gegen unsere derzeitigenDiplomaten und das derzeitige Auswärtige Amt in Deutschland eine große.Man macht den Witz: Die französische Regierung hätte sondiert, welcheFriedensbedingungen wir stellen würden. Wir hätten erwidert, Regulierungder Vogesengrenze, Schleifung von Toul, Nancy, Verdun usw. Daraufwären die Franzosen eingegangen. Dann hätten wir aber die Forderunggestellt, die Franzosen müßten fünf oder sechs unserer gegenwärtigenhohen Diplomaten übernehmen. Auf diese Bedingung hätten aber dieFranzosen erklärt auf keinen Fall eingehen zu können."

Über die Erbärmhchkeit der gegen mich gesponnenen Intrigen und dieJämmerlichkeit der Berliner pobtischen Leitung hoben mich die Kund- Vertrauens-gebungen des Vertrauens und der Sympathie hinweg, die mir spontan von Kundgebun-vielen Seiten zugingen. Großherzogin Luise von Baden telegraphierte mir S en