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EINE AUSSCHLIESSUNG
während seines Kampfes auf Leben und Tod feige und verräterisch inden Rücken fielen. Unter diesen stand in erster Linie Greiling mitseinem von der Entente in Hunderttausenden von Exemplaren im feind-lichen und neutralen Ausland und tunlichst auch in Deutschland ver-breiteten Buch „J'accuse".
Es wäre sehr ungerecht, die Broschüre des Fürsten LichnowskyFürst „Meine Londoner Mission" in einen Topf mit derartigen PamphletenLichnowsky zu we rfen. Er hat nicht gewollt, daß sie in die Öffenthchkeit ge-langen solle. Er hätte aber eine solche Schrift niemals verfassen dürfen,die, von ihrer Gesinnung ganz abgesehen, inhaltlich ohne Wert war.Als das Herrenhaus über die Ausschließung des Fürsten Lichnowskydebattierte, wurden ernste und gewichtige Vorwürfe gegen ihn erhoben.Es wurde aber zu seiner Entschuldigung auch manches gesagt, was sichhören ließ. Am durchschlagendsten wirkte in letzterer Richtung, daß derinzwischen verstorbene Fürst Alexander Münster, der Sohn unseres viel-jährigen Botschafters in London und Paris , statt jeder Apologie dieEingangssätze der Lichnowskyschen Broschüre vorlas. Sie fing ungefähr soan: Zu den Fehlern des Fürsten Bismarck in seiner auswärtigen Politikgehöre auch der Berliner Kongreß, ohne den es keinen Weltkrieg gegebenhätte. Den Baron Marschall nach London als Botschafter zu schicken, seikein glücklicher Einfall des Berliner Auswärtigen Amts gewesen, eine guteIdee dagegen der Gedanke des Kaisers, ihn, den Fürsten Lichnowsky , aufdiesen wichtigsten Posten zu setzen. Als Fürst Alexander Münster mit demVorlesen des Lichnowskyschen Buches so weit gekommen war, wurde erdurch allgemeines Gelächter unterbrochen, und als er mit den Wortenschloß, das Haus werde hoffentlich nicht so grausam sein, eine infamierendeStrafe über ein Herrenhausmitglied zu verhängen, dessen politische Harm-losigkeit so klar auf der Hand hege, beschloß eine größere Anzahl würdigerMänner, unter denen auch ich mich befand, eine weiße Kugel in die Ab-stimmungsurne zu werfen. Die Mehrheit hat sich allerdings schließlich dochfür die Ausstoßung des armen Lichnowsky entschieden, dem infolgedessenauch das Recht zum Tragen seiner preußischen Militäruniform entzogenwurde.
Es war vorauszusehen, daß in Deutschland , einem Lande, das seit jeherDieAnsprüche die Neigung hatte, den Teil über das Ganze, den Fraktionsstandpunkt überder Parteien J as allgemeine Wohl zu stellen, der Krieg, und noch dazu ein so schwererund lange dauernder Krieg, die Ansprüche der Parteien steigern würde.Dem war nur dadurch zu begegnen, daß alle mit der Salus publica verein-barten Zugeständnisse sofort erfolgten, daß Angehörige aller Parteien, auchFreisinnige und Klerikale, auch Sozialisten in leitende Stellungen berufenwurden, daß aber von da ab mit fester Hand regiert wurde. Ich hätte es ganz