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3 (1931) Weltkrieg und Zusammenbruch
Entstehung
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JAGOW GEHT

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Friedensresolution von 1917 hat das Terrain für den Frieden von Ver-sailles vorbereitet, der im direkten Gegensatz zu den kindlichen Erwar-tuugen der dreiregierenden" Parteien, der Sozialdemokratie, des Freisinnsund des Zentrums, nichtdie dauernde Versöhnung der Völker'* herbei-führte, sondern Deutschland unerhörte, schmerzliche Gebietsabtretungenauferlegte und eine schmähliche politische, wirtschaftliche und finanzielleVergewaltigung unseres armen Volkes bedeutete.

Schon im Juli 1917 war es zu einer Matrosenmeuterei in der deut-schen Flotte gekommen. Es unterhegt keinem Zweifel, daß sie planmäßigseit langem von der U.S.P.D. vorbereitet worden war. Erfahrene und ein-sichtige Marineoffiziere sind der Ansicht, daß es zu einem solchen Aufstandnicht gekommen wäre, wenn die Flotte sofort nach Beginn des Krieges inden Kampf geführt worden wäre. Die lange Untätigkeit, der langweilige,zum Teil wohl auch mit unnötiger Pedanterie betriebene Friedensdienstwährend des größten aller Kriege habe den Geist entwickelt, aus dem dieMeuterei der Matrosen hervorging und jedenfalls die Wühlarbeit derU.S.P.D. , der Haase, Vogtherr und Dittmann, erhebüch erleichtert.

In der Leitung der auswärtigen Politik war vor dem Sturz des KanzlersBethmann ein Wechsel eingetreten. Gottlieb Jagow war im November 1916 Zimmermannendlich seiner Stellung als Staatssekretär des Äußern enthoben worden, in Staatssekretärder er soviel Schaden angerichtet hatte. Sein Nachfolger wurde der bis-herige Unterstaatssekretär Zimmermann. Von den besten Absichten er-füllt und, wie immer wieder betont werden muß, ein Ehrenmann undPatriot, behandelte Zimmermann doch gerade unser immer wichtigerwerdendes Verhältnis zu Amerika mit wenig Geschick. Er gehörte zu denDeutschen , die bei reinem Willen und zweifelloser Tüchtigkeit doch nichtbegreifen, daß der Diplomat in erster Linie geschickt sein und wissen muß,wie es gemacht wird". Das sagte vor mir im Januar 1874, drei Monatenachdem ich in das Auswärtige Amt eingetreten war, der ReichskanzlerFürst Bismarck zu meinem Vater, und dasselbe meinte bei einem Diner,zu dem mich in Paris 1879 der gütige Graf Roger du Nord eingeladen hatte,der damalige Abgeordnete Leon Gambetta . Der biedere Zimmermann ver-sicherte dem amerikanischen Botschafter Gerard, daß Deutschland denunbeschränkten U-Boot-Krieg nicht ohne vorherige Verständigung mitAmerika proklamieren würde. Er veranlaßte den Botschafter, auf einemFestessen der amerikanischen Handelskammer in Berlin in einer feierlichenRede zu erklären, die Beziehungen zwischen Deutschland und Amerika wären nie bessere gewesen als jetzt.Solange Männer wie Doktor Solf undHelfi'erich, wie Hindenburg und Ludendorff, wie die Admiräle von Müller, vonCapelle und von Holtzendorff und der Staatssekretär Zimmermann an derSpitze der zivilen, militärischen und maritimen Verwaltung Deutschlands