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3 (1931) Weltkrieg und Zusammenbruch
Entstehung
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XXI. KAPITEL

Ungünstige Nachrichten aus Österreich Der dortige deutsche Botschafter Graf BothoWedel Rumänien tritt in den Krieg ein Hindenburg-Ludendorff Der Gang der mili-tärischen Operationen Die große Offensive in Frankreich im Frühjahr 1918 Symptomezunehmender Erschöpfung in Deutschland Jämmerliche Schwäche der deutschen Re-gierung Besuche Ballins in Klein-Flottbek, sein letzter Versuch, Wilhelm II. aufzu-klären Brief Heckschers an den Fürsten über den Zusammenbruch, Bülows Antwort

Der Sowjet-Botschafter Joffe

Inzwischen stiegen immer schwärzere Wolken am politischen Horizontauf. Die Nachrichten aus und üher Österreich lauteten besonders trübe. Die Sixius-Nur unser neuer deutscher Botschafter in Wien, Graf Botho Wedel , sah^ff arenach wie vor alles in rosa. Seine Berichte waren eine fortlaufende Be-stätigung der optimistischen Informationen, die er dem ahnungslosenMichaelis und dem überalterten Hertling anläßlich ihrer Besuche amWiener Hof gegeben hatte und die zum Unglück Deutschlands die verant-wortlichen Leiter unserer Politik hinsichtlich der Bundestreue Österreich -Ungarns in Sicherheit wiegten. Wedel war völlig dadurch eingeschläfertworden, daß seine Schwiegermutter, die Gräfin Luise Gröben, als sie ihreKinder an der schönen blauen Donau besuchte, aus den eigenen Händender Kaiserin Zita den österreichischen Elisabeth-Orden mit Brillanten er-hielt, was, vom höfischen Standpunkt aus, eine seltene Auszeichnung war.

Dieser Allerhöchste Gnadenbeweis hatte aber nicht verhindert, daßKaiser Karl um dieselbe Zeit Deutschland verriet, indem er dem Präsi-denten der Französischen Republik Poincare durch seinen Schwager, denPrinzen Sixtus von Parma, versprechen ließ, daß er mit allen Mitteln undunter Einsetzung seines ganzen persönlichen Einflusses diegerechten"Rückforderungsansprüche, die Frankreich hinsichtlich Elsaß-Lothringens stelle, unterstützen werde. Gleichzeitig hatte Kaiser Karl um einen Sonder-frieden gebeten. Er hat diesen Brief und den Versuch, Deutschland zu ver-raten, ableugnen wollen, ist jedoch von Clemenceau in voller Öffentlichkeitdurch Publikation des Faksimile seines Briefes der dreisten Lüge überführtworden. Dahin hatten die blinde Gefolgschaft von Bethmann und Jagowgegenüber Österreich , die falsch verstandene Ritterlichkeit des KaisersWilhelm für den greisen Kaiser Franz Josef geführt. Daß es nicht schon