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4 (1931) Jugend- und Diplomatenjahre
Entstehung
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III. KAPITEL

Hamburg und Klein-Flottbek Geburtshaus an der Flottbeker Chaussee Verwandteund Jugendfreunde Die erste Seefahrt Alkohol

Den Sommer verbrachten wir im Landhause meiner Großmuttermütterlicherseits, der Frau Emilie Rücker in Flottbek an der Elbe .Nach Flottbek Die Famibe Rücker stammte aus Schweinfurt , der alten, zwischen reben-bekränzten Hügeln im Herzen des fränkischen Weinlandes anmutig ge-legenen Reichsstadt, die übrigens ihren Namen nicht von dem viel ver-lästerten und dabei so nützbchen Borstentier ableitet. Schweinfurt sollSueven- oder Schwabenfurt bedeuten, die Furt der Schwaben, wie Frankfurt die Furt der Franken. Als ich Reichskanzler geworden war, übersandte mirein Schweinfurter Bürger die Abbildung eines Grabmals in der Schwein-furter Hauptkirche, das meinen Vorfahr, den Schultheiß Barthold Rückerdarstellt, wie er andächtig vor dem Gekreuzigten kniet. Die Inschrift des inSandstein ausgeführten Denkmals lautet:Anno Domini 1377 in crastinobeati Matthei apostoli obiit Bartholdus Ruecker scultetus in Swinfurt, cujusanima requiescat in pace. Amen." Neben dem knienden Schultheiß ist dasWappen angebracht, das die Famibe Rücker sowohl in ihrem deutschen wiein dem nach England ausgewanderten Zweige führt, eine Jungfrau. Währenddes Dreißigjährigen Krieges, wo Schweinfurt trotz seiner Reichsunmittel-barkeit abwechselnd von den Schweden und von den Kaiserbchen ge-brandschatzt wurde, siedelte die Famibe Rücker nach Hamburg über, demsie in Senat und Bürgerschaft tüchtige Männer stellte.

Die Reise von Frankfurt nach Hamburg und Flottbek war damals nichtReise nach so einfach wie jetzt. Kaum zehn Minuten nach Beginn der Fahrt mußte einHamburg längerer Aufenthalt in Bockenheim genommen werden. Denn Bockenheim gehörte dem Kurfürsten von Hessen , und dieser verlangte, daß in derjüngsten kurhessischen Stadt", obwohl sie in Wirklichkeit nur eine Vor-stadt von Frankfurt war, seiner Landeshoheit gehuldigt wurde. In Kassel war ein noch viel längerer Aufenthalt. Zwischen Münden und Göttingen bestand noch keine Schienenverbindung. Diese Strecke mußte zu Wagenzurückgelegt werden. In Hannover, wo wir, wenn die Abfahrt von Frankfurt am Morgen stattgefunden hatte, gegen neun Uhr abends eintrafen, wurde