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DIE ERSTEN SCHLACHTEN
war nach dem Krieg das 7. (Westpreußische) Husaren-Regiment geworden,das in allerlei kleinen Nestern der Provinz Posen , in Inowrazlaw, Slupceund Rogasen, in Garnison lag, wo, wie die West- und Süddeutschen meinen,sich Fuchs und Wolf Gute Nacht wünschen. 1852 wurde das Regiment ausder Provinz Posen nach der Rheinprovinz, nach Bonn verlegt. Der Neu-jahrstag 1857 war der schönste Tag in der Geschichte des Regiments. Am1. Januar 1857 wurde der damalige Prinz von Preußen , der nachmaligeKönig und Kaiser Wilhelm I. , zum Chef des 7. Husaren-Regiments ernannt.Einunddreißig Jahre lang hat er den kornhlumenhlauen Attila getragen.Kornblumenblau war seine Lieblingsfarbe. Er hat in dieser langen Zeitjeden Offizier des Regiments persönlich gekannt. Als er zu alt gewordenwar, um noch die engen Husarenhosen und Husarenstiefel tragen zu können,ließ er, wenn er Bonn passierte und das Offizierkorps auf dem Bahnsteigaufgestellt war, seinem Regiment zu Ehren sich den Husarensäbel an Stelledes gewohnten Infanteriedegens umschnallen. Die stolze Vergangenheitunseres Regiments war jedem Husaren bekannt. Alle brannten darauf, dieserVergangenheit und dem erhabenen und ehrwürdigen Chef Ehre zu machen.
Während ich und meine Kameraden von der Ersatz-Schwadron PferdeWeißenburg striegelten und auf dem „Sand" exerzierten, fielen auf Elsässer Erde dieund Wörth ersten Hammerschläge des deutschen Kriegsgottes. Am 4. August wurdendie Franzosen bei Weißenburg, am 6. August bei Spichern und Wörth geschlagen. Der Jubel im Rheinland war unbeschreiblich. Wenn ich aus dertraurigen Gegenwart an jene Augusttage des glorreichen Jahres 1870 zu-rückdenke, habe ich die Empfindung, als ob sich an einem trüben undgrauen Novembertage plötzlich eine Frühlingslandschaft vor mir auftäte.Und dieser Jubel, nicht nur in der preußischen Rheinprovinz , sondern inganz Deutschland , war berechtigt. Es war das erstemal seit Jahrhunderten,daß Deutschland geschlossen und einig dem welschen Erbfeind entgegen-trat. Noch im Befreiungskrieg hatten Württemberger und Bayern , Sachsenund Badenser mit den Franzosen gegen ihre eigenen Landsleute gefochten.Als 1813 bei Dennewitz, unter dem General Friedrich Wilhelm Bülow ,Pommern und Märker dem Feinde den Marsch auf Berlin wehrten, mußtensie mit Bajonett und Kolben nicht nur gegen Franzosen kämpfen, sondernauch gegen Schwaben und Alemannen, die der korsische Despot gezwungenhatte, ihm Heeresfolge zu leisten.
Jetzt rief im Wochenkalender des „Kladderadatsch" Rudolf Löwen-stein den Süddeutschen zu:
Wenn einst gepflückt wir habenEin Hühnchen mal im Streit,Ihr Bayern und ihr Schwaben,Das war in böser Zeit.