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4 (1931) Jugend- und Diplomatenjahre
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DER KRONPRINZ

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Zu schönrem Streit jetzt stähleDie Brust sich mutentbramitEin Herz und eine SeeleSind wir fürs Vaterland!

All Haß und HühnchenpflückenSei ewig abgetan!Denkt nicht mehr an die Kücken,Denkt nur an Gallions Hahn!Den faßt mir an die KehleUnd dreht sie um gewandt!Ein Herz und eine SeeleSind wir fürs Vaterland!

Gewaltiger noch tönte das am 25. Juli 1870 von Heinrich von Treitschke gedichtete Lied vom Schwarzen Adler, eines der schönsten Lieder, die jevon einer deutschen Lippe flössen.

Die auf den Schlachtfeldern von Weißenburg und von Wörth mit Blutbesiegelte Gemeinschaft von Nord und Süd, von Ost und West verkörpertesich in dem Sieger der Schlacht, in dem preußischen Kronprinzen, demspäteren Kaiser Friedrich . Wie kaum ein anderer besaß er die Eigen-schaften, die dem Deutschen seit Jahrhunderten am Manne so teuer sind:die Reinheit der Seele und die Festigkeit des Herzens, edlen Stolz undrührende Bescheidenheit, Strenge gegen sich selbst und Güte für andere,völlige Furchtlosigkeit und zartestes Empfinden. Verwundete, die aus demElsaß eintrafen, um in Godesberg und Brühl in den Lazaretten unter-gebracht zu werden, erzählten von dem Sturm auf den Geißberg bei Weißen-burg, ein von hohen und festen Mauern umgebenes Gehöft, in das sich dieFranzosen eingenistet und das sie durch Anbringen von Schießscharten inein natürliches Fort verwandelt hatten. Auf ungeschütztem Wege, der sichüber eine Viertelmeile hinzog, stieg das Königsgrenadier-Regiment (2. West-preußisches Nr. 7) trotz verheerendem Infanterie- und Artillericfeuer mitvollkommener Ruhe und in bester Ordnung den Berg hinauf. Voran dasFüsilierbataillon, an seiner Spitze, hoch zu Pferd, der Major von Kaisen-berg, ein großer, ungewöhnlich gut aussehender Offizier, der kurz vor demBeginn des Krieges seine schöne Braut, die Gräfin Karoline Strachwitz,heimgeführt hatte. Massenhaft stürzten die Grenadiere. Tödlich getroffenfielen drei Hauptleute. Es fällt, von einer Kugel getroffen, der brave Fahnen-träger, Sergeant Heinrich, die Fahne fällt zur Erde. Major von Kaisenbergspringt vom Pferde, ergreift die Fahne und führt mit mächtigem Zuruf dasBataillon an dem Gehöft vorbei, im Eilschritt hinauf zur Höhe. Die Fahnewird von Kugeln durchlöchert, die Fahnenstange zersphttert. Kaisenberg

10 Bülow IV