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4 (1931) Jugend- und Diplomatenjahre
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.BRIGADE , MARSCH-MARSCH!'

tiefsten Schmerzes, aber auch edler Gefaßtheit vergessen, mit dem ihr meinVater, als sie sich auf dem Pariser Platz trafen, gesagt habe:Toutefois,non pas comme je veux mais comme Dieu veut." Ein gütiges Telegrammdes Bundeskanzlers Bismarck an meinen Vater brachte ihm achtund vierzigStunden später die Nachricht, daß sein Sohn lebe. Mein Bruder war mitdem ersten Zug seiner Schwadron vorausgeritten. An einer schmalen Brückeangelangt, heß er in heftigem Feuer zu dreien abbrechen und ritt mitseinem Burschen, einem braven Polen namens Czeslak, und dem ältestenSergeanten über die Brücke. Beide fielen. Mein Bruder kam mit einerleichten Verwundung davon. Bald nachher erging an beide Gardedragoner-Regimenter der Befehl, gegen französische Infanterie vorzugehen, umunserer Infanterie Luft zu machen.

Die 3. Garde-Kavalleriebrigade führte der Generalmajor Graf WilhelmBrandenburg, ein vorbildlicher Gardegeneral. Er war ein Sohn desMinisterpräsidenten Brandenburg, dem Olmütz das stolze Preußenherzbrach und dessen Denkmal auf dem Leipziger Platz in Berlin steht,gegenüber dem Denkmal von Wrangel. Der Ministerpräsident war ein Kindder Liebe: die schöne Gräfin Sophie Dönhoff hatte ihn dem König FriedrichWilhelm IL geboren. Als ein atemlos heranjagender Generalstäbler demGeneralmajor Graf Wilhelm Brandenburg auf dem Schlachtfeld von Mars-la-Tour zurief, er möge sofort auf schwierigstem Terrain mit seiner Brigadedie französische Infanterie attackieren, machte ihn dieser mit der ihmeigenen vornehmen Ruhe darauf aufmerksam, daß das so viel bedeute, wiedie Regimenter opfern. Der aufgeregte Major mit den breiten roten Streifenließ sich zu der Antwort hinreißen:Dann macht sich die Gardekavalleriedoch endlich bezahlt!" Ohne mit der Wimper zu zucken entgegnete derGeneralmajor Graf Brandenburg, nachdem er seine tadellos weißen Hand-schuhe zugeknöpft und dann den Säbel gezogen hatte: ,,Ah! Das ist etwasanderes. Brigade, Gewehr auf! Brigade Trab, Galopp, marsch-marsch!"Und vorwärts ging es über Hecken und Gräben in mörderischem Infanterie-feuer.

Bei dieser Attacke, die den gewünschten taktischen Erfolg hatte, unsererInfanterie Luft zu machen, fielen die beiden Regimentskommandeure,Oberst von Auerswald und Oberst Graf Finckenstein , der Major von Kleist,der schöne Bruder der schönen Herzogin von Pleß, die Rittmeister PrinzHeinrich XVII. Reuß, ein Bruder des damaligen Botschafters in Peters-burg, späteren Botschafters in Konstantinopel und Wien , Graf Wesdehlen,Graf Westarp, von Hindenburg, die Leutnants von Tresckow , Graf Schwe-rin, Graf Solms-Sonnenwalde, Graf Hohenthal. Als König Wilhelm einigeTage später die Regimenter wiedersah, Hefen dem gütigen Herrn die Tränenüber die Wangen. Er wiederholte nur immer:So viele brave Dragoner und