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IN FRONT GEGEN WESTEN
stehenden Armeebefehl: „In der heutigen siegreichen Schlacht vor Amiens ist die im Vorrücken begriffene feindliche Armee auf Amiens zurückgeworfenworden. Ich spreche der Armee meinen Dank aus und werde SeinerMajestät dem Könige von der wiederum an den Tag gelegten TapferkeitMeldung erstatten." Von einer Verfolgung des geschlagenen Feindes, diealle erwarteten, nahm der Oberbefehlshaber Abstand. Rouen war dasMarschziel, das der Ersten Armee bei ihrem Aufbruch von der Oise durchunsern großen Schlachtendenker Moltke vorgezeichnet worden war. So ginges weiter auf die Hauptstadt der Normandie.
Am 1. Dezember setzte sich unsere Armee in breiter Front gegen WestenBei Soissons in Marsch. Der erste Frost war eingetreten. Die Straßen waren hart-gefroren. In den nächsten Tagen steigerte sich die Kälte. Am 16. Novemberhatte ich an meine guten Eltern geschrieben: „Angstigt Euch, bitte, nichtum mich. Es geht mir ausgezeichnet. Ich fühle mich sehr wohl, und findenmeine Bekannten, daß ich wohler als in Bonn aussehe. Ich habe besten Mut.Und wenn es nicht Euretwegen wäre, könnte der Krieg meinetwegen nochrecht lange dauern." Zwei Tage später hatte ich aus Paslys bei Soissons geschrieben: „Unberufen geht es mir sehr gut. Ich fühle mich ganz wohl,und vor allem bin ich überzeugt, daß ich, wie wir alle, in Gottes Handstehe. Was Er will, wird sich erfüllen, mögen wir nun dies oder das wünschen.Was Ruhr usw. betrifft, braucht Ihr Euch wirklich nicht zu ängstigen. InMetz war allerdings Gefahr. Von denen, die überhaupt keinen Dienst tunkonnten, ganz abgesehen, waren gewiß drei Viertel des Regiments mehr oderweniger krank. Ich hatte auch einen kleinen Anfall, ähnlich wie im Oktoberin Berlin , den ich aber mit drei scharfen Schnäpsen, hintereinandergetrunken, glänzend coupierte. Ob wir in nächster Zeit vor den Feindkommen, wie wir das sehr wünschen, ist nicht gewiß. Unmöglich ist esnicht, da es, trotzdem die Leute glauben, wir würden von Compiegne nachParis gehen, gewiß ist, daß wir auf Amiens gegen die französische Nord-armee unter Bourbaki marschieren. Daraus folgt aber nicht, daß wir geradezum Attackieren kommen, obwohl ich freilich für mich allein es brennendwünsche. Auf jeden Fall bin ich in des lieben Gottes Hand."
Am 25. November schrieb ich aus Faverolles bei Montdidier (DepartementMarsch bis de la Somme): „Vorgestern war ich mit Herrn von Schhchting und GrafAuteuil Beißel, einem Rheinländer, den ich schon in Berlin kannte, in Compiegne .Wir hatten nämlich Ruhetag und freuten uns, aus Janville herauszu-kommen, das ein ganz armes Nest ist, wo Kühe und Hafer unter Geheulund Gejammer der ganzen Bevölkerung requiriert wurden. Compiegne isteine hübsche Stadt, eine Art französisches Potsdam, welchen Vergleichwohl andere vor mir angestellt haben, da er auf der Hand hegt. Die Lädensind recht elegant, und ich vervollständigte meine Equipierung durch eine