ZUM SAMMELN GEBLASEN
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im Granat-feuer
nahm den geladenen Karabiner auf und schoß den Franzosen nieder. Amschönsten von uns allen benahm sich der Trompeter Rusbild, der uns nichtlange vorher die Reveille und den Appell geblasen hatte. Er erblickte einenKameraden, der hilflos unter seinem gestürzten Pferde lag, hielt trotzheftigem Feuer bei ihm aus und half ihm auf. Der Rittmeister Niesewand,der inzwischen mit den zwei anderen Zügen der Schwadron eingetroffenwar, ließ zum Sammeln blasen.
Als die Schwadron wieder rangiert war, kam auf seinem prächtigenRappen der Oberst von Loe angesprengt. Wir nahmen Augen rechts. Erließ das Gewehr aufnehmen. Mir nickte er freundlich zu, was mich sehr be-glückte. Der Oberst von Loe lobte den Zug. Wir waren auch, nur zwanzigpreußische Husaren, mit fünfzig französischen Schützen fertig geworden.Von uns war ein Mann schwer verwundet worden. Die fünf Leichtver-wundeten blieben im Sattel. Dem Leutnant von Knesebeck war beim Be-ginn der Attacke sein Pferd erschossen worden.
Inzwischen hatten die Franzosen die Höhen besetzt, von denen aus sieuns, zum Teil mit Artillerie, scharf beschossen. Wie das bei solchen Ge- Dielegenheiten üblich ist, führten wir verschiedene Exerzitien aus, um dem SchwadronFeind keine Zielscheibe zu bieten. Doch schlugen einige Granaten in unsererNähe ein. Unser wackerer Wachtmeister John, ein Ostpreuße , und achtandere Husaren unserer Schwadron wurden blessiert. Es war interessant,zu beobachten, wie eine Attacke an die Nerven weniger Anforderungen6tellt als ruhiges Abwarten im feindlichen Feuer. Anfangs duckte balddieser, bald jener Husar den Kopf, wenn eine Kugel vorbeiflog oder eineGranate in der Nähe platzte. Aber der Oberst war nicht gewillt, das zudulden. „Ich verbitte mir", rief er der Eskadron zu, „diese Verbeugungenvor dem Feinde. Wenn wieder einer den Franzosen seine Reverenz bezeigt,sollt ihr anderen ihn tüchtig auslachen." Seitdem bückte sich keiner mehr.
Die Schwadron wurde bald nachher vom Kommandeur in eine ge-schützte Lage geführt, um sie nicht unnützen Verlusten auszusetzen. Ichselbst wurde als Vedette auf eine Anhöhe postiert, von wo ich den Artillerie-kampf gut beobachten konnte. Die Franzosen , Marine-Artillerie, schössenrecht gut. Unsere Batterie, die unter ihrem Feuer lag, hatte sehr zu leiden.Einem Kanonier riß ein Granatsplitter den Leib auf. Die Krankenträgerschleppten ihn fort. Er starb unterwegs. Sie warfen einen Woilach, eineschmutzige Pferdedecke, über ihn, von einem krepierten französischenPferd, das in der Nähe lag. Das war freilich kein schöner Anblick. Der ErsteJäger in Wallensteins Lager hat recht, wenn er dem Bürgersmann sagt, derKrieg erfordere ein eisern Herz.
Inzwischen war das Dorf Daours mehr und mehr zum Mittelpunkt derSchlacht geworden. Der massiv gebaute Ort, den ich später während des