Druckschrift 
4 (1931) Jugend- und Diplomatenjahre
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

XVI. KAPITEL

Schwadronskameraden: Guido Nimptsch, Dietrich Loe, Scharfenberg, Pemberton-Ground, Borcke, Beißel von Gymnich , Dietrich Metternich Verschärfter Auf klärungs-dienst Schlacht bei Saint-Quentin (19.1. 1871) Das Ostpreußische Füsilier-RegimentNr. 33 Leutnant von Deines, Leutnant Moßner, Rittmeister Rudolphi

Wir jungen Dachse von der 1. Schwadron waren verschieden vonein-ander und sind später verschiedene Wege gegangen. Aber wir waren Nimptsch a ]\ e zu jedem Streiche aufgelegt und hielten gute Freundschaft. Am sym-pathischsten war mir Guido von Nimptsch, der Stiefsohn unseresKommandeurs. Schon sein Vater, Paul von Nimptsch, galt in der ganzalten Zeit, vor 1848, in seiner Heimat Schlesien für den schneidigsten undleichtsinnigsten aller schlesischen Junker, und das wollte etwas sagen.Einmal hatte er mit seinem gleichgearteten Vetter, dem Grafen FeodorSierstorpff, dem Vater meines wegen seiner GrößeMurphi" genanntenlieben Regimentskameraden Karl Sierstorpff, eine Partie Ecarte gespieltund war durch fortgesetztes Quitte ou Double tief in die Kreide gekommen.Als Paul Nimptsch wiederum Quitte ou Double ankündigte, machte ihnFeodor Sierstorpff darauf aufmerksam, daß er gar nicht so viele Barmittelbesäße, um einen eventuellen Verlust auszahlen zu können. Nimptsch er-widerte ruhig:So erkläre ich denn auf Ehrenwort, daß, wenn die Kartegegen mich schlägt, ich mir meine beiden Ohren mit einem Rasiermesserabschneiden werde!" Das Rasiermesser wurde gebracht und auf den Karten-tisch gelegt. Die Karten wurden neu gemischt. Nimptsch spielte aus undgewann. Im besten Sinn junkerlich war das Verhalten des Vaters Nimptschim tollen Jahr 1848 gewesen. Da fiel er in einer Breslauer Straße einemrevolutionären Trupp in die Hände, der ihn, der als Reaktionär ver-schrien und sehr verhaßt war, zu einem Laternenpfahl schleppte, um ihndort aufzuhängen. Als der Strick schon um seinen Hals geknüpft war,machte er ein Zeichen, daß er noch einen letzten Wunsch habe. Aufgefordert,diesen Wunsch zum Ausdruck zu bringen, rief er seinen Henkern zu:Hängt mich so niedrig, daß ihr mich alle . . ." Man löste den Strick,mißhandelte aber denJunker" in so brutaler Weise, daß er an den Folgenseiner Verletzungen nicht lange nachher starb.